Dienstag, 31. Juli 2007

Auswärtiges Amt – Zweiter Versuch

Gestern war es wieder Zeit, etwas für meine mögliche Zukunft zu tun. Wie vor ziemlich genau einem Jahr begab ich mich zum schriftlichen Auswahlverfahren für den höheren Dienst des Auswärtigen Amts, so wie 1200 andere glückliche, die von den 1600 Bewerbern hierzu eingeladen wurden. Ich wusste ja schon, was mich erwartete, weshalb ich relativ entspannt an die Sache heranging. Dies lag nicht zuletzt daran, dass ich ja wusste, dass ich das Potential habe, diese Stufe auf dem Weg zur Karriere meiner Träume zu nehmen, da ich dies im vorigen Jahr getan habe.


Die Prüfung fand im Weltsaal des Auswärtigen Amts statt, was ein deutlich schniekerer Rahmen war als die Stadthalle Bad Godesberg, wo ich letztes Mal die Prüfung ablegte. Doch auch die weiteren Rahmenbedingungen waren angenehmer. Zum einen wurden netterweise Warm- und Kaltgetränke zur Verfügung gestellt – eigentlich eine Selbstverständlichkeit, doch nicht immer gegeben – zum anderen ist es durchaus angenehm, wenn man zu normalen Zeiten aufstehen kann, um sich zu einer solchen Veranstaltung zu begeben. Ich merkte vor allem gegen Ende, dass ich noch deutlich frischer war als im letzten Jahr.


Doch nun zum Inhalt der Prüfung. Diese hat vier Bestandteile. Zunächst hat man eine Stunde Zeit, um einen Aufsatz zu verfassen. Hierfür standen drei Themen zur Auswahl:

  • Asien als aufstrebende Wirtschaftsmacht. Wie soll der Westen diesen Herausforderungen begegnen?

  • Wohin mit den Unerwarteten Steuermilliarden? Schuldenabbau, Steuersenkungen, oder Erhöhung der Staatsausgaben?

  • Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft 2007: Was wurde erreicht, was bleibt zu tun?

Nach nur kurzer Überlegung fiel es mir nicht schwer, mich für das dritte Thema zu entscheiden, da dies mich am meisten interessiert und ich zudem die deutsche Ratspräsidentschaft und ihre Ergebnisse im Zuge meines Praktikums bei der Botschaft genau verfolgt habe und somit gut Bescheid wusste. Der Aufsatz kam daher gut aus meiner Feder, wenn auch nicht ganz so leichtfertig wie im vergangenen Jahr, wo ich das Glück hatte, dass eines der Themen quasi Deckungsgleich mit einem meiner Magisterprüfungsthemen gewesen war.


Der zweite Bestandteil sind zwei Sprachtests, der erste in Englisch, der zweite in Französisch (oder einer anderen UN-Amtssprache). Für mich, der sich in diesen beiden Sprachen wohl fühlt, nicht unbedingt problematisch, obwohl ich gestehen muss, dass es der Englischtest in sich hat. Er beinhaltet Grammatik, Wortschatz und Fehlerkorrekturübungen. Nicht ganz einfach, aber ich habe ja nicht umsonst fünf Jahre Anglistik studiert. Der Französischtest ist ohnehin einfacher angelegt und beschränkt sich auf Grammatikaufgaben – für mich aber sowieso kein Problem.


Nach der Mittagspause kommt der am meisten anstrengende Teil des Tages, der so genannte psychologische Eignungstest, eine Art Intelligenztest. Hierbei wird vor allem die Fähigkeit zu logischem Denken gestestet, durch das Lösen von Textaufgaben, das Schätzen von Rechenaufgaben, die Ergänzung von Zahlenmatrizen, die Analyse von Tabellen, das Ziehen von Schlüssen, das Erkennen von inhaltlich gleich lautenden Aussagen, u.a. Das ganze wird vor allem dadurch erschwert, dass man nie weiß, wie viel Zeit einem zur Lösung einer jeden Aufgabe zur Verfügung steht. Neu und überraschend war, dass ein Aufgabenblock über Management gestellt wurde, allerdings sehr oberflächliche Fragen. Das ist wohl der Zeitgeist, dass dies heutzutage jetzt auch in der Verwaltung erwartet wird... Insgesamt fiel mir der Test leichter als im vergangenen Jahr, wahrscheinlich, weil ich fitter war. So etwas ist aber immer schwer zu beurteilen.


Den Schluss bildet der viel gefürchtete Wissenstest, in dem je 25 Multiple-Choice-Fragen in den Gebieten Allgemeinwissen, internationales, Völker- und Staatsrecht, Geschichte und Politik, sowie Volkswirtschaft gestellt werden. Die Fragen beinhalten eine Mischung aus Fach-, Zeitungs-, Allgemein- und Zufallswissen. Hierbei geht es vor allem darum, dass man nicht in Panik gerät wegen des wenigen, was man weiß. Vor allem muss man taktisch gut überlegen, denn man darf sich in jedem Fragenblock fünf falsche Antworten erlauben, ohne dass dies Abzug gibt. Jede falsche Antwort, die darüber hinaus geht, ergibt einen Punkt Abzug. Es erfordert also einiges an Kalkül, wie viele Fragen, die man nicht sicher weiß, man beantwortet und welche man dann doch unbeantwortet lässt. Oder weiß jemand, wonach der Caprivizipfel benannt wurde? Ein Frage hat mich allerdings schmunzeln lassen: Was ist unter dem Begriff Hartz IV bekannt? Das konnte ich natürlich beantworten.


Das Ergebnis des Verfahrens gibt’s Anfang September, dann erfahre ich, ob ich noch einmal die Chance erhalte, mich beim mündlichen Verfahren zu beweisen. Vom Gefühl her denke ich, dass ich mich in etwas so geschlagen habe, wie im letzten Jahr. Mal sehen, ob sich das bestätigt.


3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

bisschen eingenommen biste aber schon von dir, oder? ;-)

Anne hat gesagt…

Ich fand seine Einschätzungen eigentlich recht objektiv gehalten.

Bastian hat gesagt…

Naja, wenn man nicht von sich überzeugt ist, dann sollte man nicht an so einem Bewerbungsverfahren teilnehmen. Ich habe das Verfahren zweimal mitgemacht (zweimal schriftlich, einmal mündlich) und obwohl ich nicht genommen wurde, fand ich es sehr interessant und lehrreich, obwohl es eine Menge Vorbereitung gekostet hat... Die Schilderung hier ist auf jeden Fall absolut realistisch!