Freitag, 28. September 2007

Ein einmaliges kulturelles Ereignis

Wie bereits berichtet habe ich in den letzten Wochen und Monaten die Museen der Museumsinsel abgeklappert. Nur eines fehlte noch auf meiner Liste und das mit gutem Grund, denn es wird momentan saniert bzw. wieder aufgebaut und eröffnet erst 2009: Das Neue Museum. Dieses wurde in den Jahren 1943 und 1945 durch Brand und Sprengbomben zu großen Teilen zerstört, zudem wurde die Museumsinsel in den letzten Kriegstagen von den Nazis zur Festung erklärt, was Häuserkämpfe in der Gebäuden und weitere Zerstörungen nach sich zog. Die Sammlungen waren aber glücklicherweise schon lange in Sicherheit gebracht worden. Nun wird das Neue Museum nach Plänen des Architekten David Chipperfield in einer umstrittenen Mischung von alten und modernen Elementen wieder aufgebaut.


Am Vergangenen Wochenende wurde Richtfest gefeiert und dies wurde zum Anlass genommen, Tage der offenen Tür zu veranstalten. Diese Gelegenheit packte ich am Schopf, um mir, wie tausende andere Berliner, ein Bild von den Arbeiten zu machen. Es hat sich gelohnt. Denn auch wenn viele Restaurationsarbeiten noch nicht beendet sind, kann man sich durchaus einen Eindruck verschaffen, wie das ganze am Ende aussehen wird. Vor allem im erhaltenen Flügel des Gebäudes gibt es noch immer unheimlich eindrucksvolle Räume mit sagenhaften Wandfresken und Verziehrungen. Ich bin sehr gespannt, wie sich das fertige Museum präsentieren wird, wo unter anderem die Ägyptische Sammlung mit Nofretete beheimatet sein werden. Die Homepage des Wiederaufbauprojektes verschafft übrigens einen recht guten Eindruck über die Maßnahmen.


Da ich schon in der Stadt war habe ich übrigens die Gelegenheit genutzt, um mit auch ein weiteres kulturelles Highlight anzuschauen. Im Lustgarten sind seit dem Wochenende 15 Skulpturen des kolumbianischen Künstlers Fernando Botero ausgestellt, alle aus Bronze und durch ausgeprägte Rundungen charakterisiert. Eine sechzehnte Skulptur, die speziell für die Berliner Ausstellung geschaffen wurde, steht vor dem Brandenburger Tor. Selbstverständlich habe ich das ganze fotographisch dokumentiert.

Montag, 24. September 2007

Ein Vorstellungsgespräch und viel Bürokratie...

Wie schon berichtet tragen meine verstärkten Bewerbungsaktivitäten nun Früchte und ich habe in diesen Tagen einige Vorstellungsgespräche vor mir. Eines, das meines Erachtens ganz gut gelaufen ist, habe ich bereits hinter mich gebracht. Solange ich nichts darüber weiß, werde ich mich aber mit Hoffnungen und Erwartungen zurückhalten.

Da das Gespräch in München stattfand und der potentielle Arbeitgeber die Fahrtkosten nicht übernehmen wollte, musste ich mich hierfür an meine Freunde von der Arbeitsagentur wenden, was trotz relativ einfacher Verfahren hierfür einen gewissen bürokratischen Aufwand bedeutet. Zunächst machte ich mich auf den Weg in den Job-Center und durchschritt recht schnell die Zickzackschlange, da ich inzwischen aus Erfahrung weiß, dass der größte Andrang früh morgens zu erwarten ist und ich diesen vermied. Der erste Ansprechpartner hörte sich mein Anliegen an und reichte mich erstmal in den Wartebereich I weiter. Dort kam ich dann auch recht schnell an die Reihe, die Sachbearbeiterin machte aber auch nicht viel mehr, als mir einen Termin mit meinem Betreuer zu geben. Die gestaltete sich allerdings nicht so einfach, da mein eigentlicher Betreuer – im übrigen bisher wie immer, als ich einen Termin bekommen sollte, sodass ich ihn noch nie zu Gesicht bekommen habe – im Urlaub war. Deshalb musste durch herumtelefonieren erstmal ermittelt werden, wer sein Stellvertreter ist, nach mehreren Telefonaten bekam ich schließlich für ein paar Tage später einen Termin im Team 627 des Jobcenters.


Ich begebe mich also zu gegebener Zeit zum Termin und muss feststellen, dass ich gar nicht erwartet werde. Glücklicherweise habe ich aber den Zettel dabei, wo mein Termin draufsteht, sodass ich trotzdem drankomme. Die Dame lässt mich schlussendlich ein Formular ausfüllen, geht damit ins Nachbarbüro, von wo sie kurz darauf zurückkommt und mir berichtet, ihr Kollege stelle mir die Fahrkarte aus, ich solle noch etwas warten. Eine Viertelstunde später bin ich mit meiner Fahrkarte nach München, einem Formular, das vom potentiellen Arbeitgeber, sowie einer Einladung zum nächsten Gespräch, tatsächlich mit meinem richtigen Berater, ausgestattet. Ich bin sehr gespannt auf den Herren und werde berichten... Ich bin recht unentschlossen, wie ich diesen ganzen Vorgang beurteilen soll. Einerseits ist es doch sehr lobenswert, dass man so leicht an eine Fahrkarte zu einem Vorstellungsgespräch gelangt, ohne dabei selbst Geld auszugeben, das man sich in einem wochenlangen Verfahren rückerstatten lassen muss. Andererseits finde ich es doch verwunderlich, dass sich schlussendlich fünf verschiedene Sachbearbeiter mit dieser Sache beschäftigt haben. Das erscheint mir etwas viel, für eine solche Angelegenheit.


Ich weiß übrigens nicht so recht, was ich von der Sache mit München halten soll. Ein Job wäre den Umzug auf jeden Fall Wert, aber München? Berlin wäre mir lieber...

Samstag, 22. September 2007

Popkomm in Berlin

Diese Woche stand das musikinteressierte Berlin ziemlich Kopf, denn von Mittwoch bis Freitag fand in der Stadt Europas größte Musikmesse statt, die Popkomm. Dies bedeutet nicht nur, dass sich Fachpublikum im ICC die Hand gibt und viel darüber geredet wird. Gleichzeitig fand in der Stadt das Popkomm Festival statt, was bedeutete, dass hunderte von Clubs eingespannt waren und dort zahlreiche Konzerte von größtenteils Newcomerbands stattfinden. Ich konnte davon leider nur eingeschränkt profitieren. Nicht nur sind meine finanziellen Möglichkeiten begrenzt, auch musste ich ausgerechnet am Donnerstag (wo ich eigentlich ein extrem viel versprechendes Konzert besuchen wollte) zu einem Vorstellungsgespräch nach München fahren musste (dazu demnächst mehr).

Glücklicherweise blieb mir am Mittwoch Abend die Möglichkeit, im Lido (auch während der Popkomm der Club meines Vertrauens) drei interessante Bands anzuhören. Begonnen haben Georgie James, eine Combo aus Amerika. Deren Musik war ganz nett, in gewisser Weise country- und americanageprägter Rock. Der Gitarrist und die Keyboarderin teilen sich den Gesangpart und vor allem letztere hat eine sehr ansprechende Stimme. Das ganze ist allerdings sehr amerikanisch.


Es folgten die blutjungen Eight Legs, eine weitere Band, die gerne the next big thing aus Großbritannien wären. Man braucht als eigentlich nicht hinzuzufügen, dass sie musikalisch den im Moment typischen Indie Rock auf den spuren der Arctic Monkeys produzieren. Das ganze hat sicherlich potential, die Besitzer der Acht Beine müssen allerdings noch ein bisschen üben. Riffs und Melodien stimmen schon mal, die Allüren der Bandmitglieder auch, nur der Sänger ist irgendwie etwas fad. Vielleicht sind die vier einfach nur geschlaucht gewesen, da sie anscheinend eine 16-Stunden Busfahrt von Paris hinter sich hatten. Zum Ende hin wurden die Songs zudem immer besser. Vielleicht sollte man die Eight Legs also noch einmal in einem Jahr anschauen.


Den Abschluss bildete die Kapelle, die mich dazu bewegt hatte, an diesem Abend das Lido aufzusuchen, nämlich The Cinematics, ebenfalls aus dem Königreich jenseits des Ärmelkanals. Obwohl diese auch ihr Debutalbum präsentierten, war ihr Auftritt deutlich routinierter und ihre Musik deutlich reifer und druckvoller. Vielleicht liegt das auch daran, dass sie nicht ganz so blutjung sind. Jedenfalls machen The Cinematics Musik, die man wohl Post Punk nennt und die in Richtung Editors oder Interpol geht, allerdings in weniger düster. Die Musik ist gut tanzbar, die Band beherrscht ihr Handwerk und so lässt sich auch das Publikum im vielleicht gut zur Hälfte gefüllten Saal begeistert. Es hat sich auf jeden Fall sehr gelohnt.

Montag, 17. September 2007

Es geht wieder Bergauf!

Meine Laune ist seit einiger Zeit wieder deutlich ansteigend. Einen großen Beitrag trägt meine vor ein paar Wochen gestartete große Bewerbungsoffensive bei, die langsam beginnt Früchte zu tragen. So haben sich mir in den vergangenen Tage hoffnungsvolle Perspektiven eröffnet, von denen ich hoffe, dass zumindest eine von ihnen schlussendlich von Erfolg gekrönt sein wird. Es wäre schön, zu wissen, wie sich mein berufliches Leben weiterentwickeln wird, bevor meine aktuelle Motivationswelle ihren Scheitelpunkt erreicht hat.


Leider führen manche der möglicherweise entstehenden Pfade aus Berlin weg, was ich sehr schade fände. Doch auch falls ich in Berlin bleiben können sollte, hätte ich deutlich weniger Freizeit als es jetzt der Fall ist, sodass es gilt, jetzt noch möglichst viel zu sehen und zu erkunden, solange dies noch möglich ist. Da mir eher nach gemütlichen Stunden war und endlich mal wieder die Sonne ihr Angesicht zeigte, ging ich deshalb nicht wie üblich in den Volkspark Hasenheide oder den Treptower Park, um diese zu genießen, sonder fuhr ein Stückchen weiter in den Viktoriapark Kreuzberg. Ich war dort nicht zum ersten Mal, denn ich mag diesen Park ganz gern, er erinnert aufgrund seiner Hanglage etwas an die Buttes Chaumont in Paris. Angelegt ist der Park auf dem Kreuzberg und an dessen höchsten Punkt prangt ein Denkmal zu ehren der gewonnenen Befreiungskriege von der napoleonischen Herrschaft. Zwei Eigenschaften machen den Park und das Denkmal zu etwas besonderem. Zum einen ist dies der imposante künstliche Wasserfall, der vom Denkmal aus den Berg herabstürzt. Zum anderen ist dies die wunderbare Aussicht auf die Umgebung, die von hier aus möglich ist. Perfekt also, um einen gemütlichen Nachmittag im herbstlichen Sonnenschein zu verbringen.

Donnerstag, 13. September 2007

Ein Herbsttag im Schlosspark Charlottenburg

Kein Wunder, dass der Sommer einen so unbefriedigenden Eindruck hinterlässt. Jörg Kachelmann bestätigte auch kürzlich beim Wetter im Ersten den herrschenden Eindruck: Der mit Abstand sonnigste Monat dieses Jahres war bisher der April (der APRIL!!!) und seither gab es in Deutschland nie mehr als vier Tage am Stück gutes Wetter. Umso schwerer fällt es in diesen Tagen, die sich bereits anfühlen wie Mitte Oktober (die Blätter fallen schon von den Bäumen und ich überlege jeden Tag, ob ich nun die Heizung einschalten soll), sich auf den kommenden Herbst und Winter einzustellen. Irgendwie würde man vorher gerne noch ein bisschen Sonne und sommerliche Wärme tanken, bevor es richtig kalt und grau wird.


Da es nicht so aussieht, als würde sich in absehbarer Zeit eine längere Schönwetterperiode über Berlin breitmachen, gilt es Stunden, die halbwegs nach Sonnenschein aussehen, optimal zu auszuschöpfen. Solche nutzte ich also kürzlich, um mich auf mein Rad zu schwingen (ich bin übrigens noch immer so zufrieden mit meinem neuen Fahrrad) und einen kleinen Ausflug tief in den Berliner Westen zum Schloss Charlottenburg zu unternehmen. Wie alle Schlösser in Berlins Umgebung ein Werk der preußischen Kurfürsten bzw. Könige, begonnen Ende des 17. Jahrhundert im damaligen ländlichen Vorort Liegnitz und bis ins frühre 19. Jahrhundert stets erweitert. Obwohl nicht ganz so gigantomanisch wie die Schlösser in Potsdam kann sich der Bau durchaus sehen lassen, allein von seinen Maßen her. Inklusive der Großen Orangerie und des Neuen Flügels bringt es die Fassade auf sagenhafte 500 Meter Länge. Im zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört, doch bereits Mitte der 1950er Jahre wiederaufgebaut, steht es in seiner vollen Pracht nun hauptsächlich als Museum zur Verfügung.


Man kann von der Monarchie halten was man will, ohne die zahlreichen geltungssüchtigen Herrscher der Vergangenen Jahrhunderte, die sich auf Kosten der Staatskasse, also ihrer geknechteten Untertanen, ihre privaten Paradiese schafften, wäre unsere Kulturlandschaft deutlich karger als sie es heute ist. Allein der Park des Schlosses Charlottenburg, direkt am Schloss in französischer Manier gestaltet, rundherum schließt sich ein englischer Park an, das ganze angelegt, natürlich, von Lenné, ist beeindruckend. Glücklicherweise haben sich die Zeiten geändert und diese kleine Idylle gilt nicht mehr dem Privatvergnügen des Hochadels, sondern ist offen für den gestressten Großstädter, der sich hier zwischen Belvedere, Mausoleum und künstlichem See für ein paar Stunden entspannen kann.


Montag, 10. September 2007

Der volkswirtschaftliche Schaden des illegalen Herunterladens von Musik

Es fing an mit der Software GoZilla, vor etwa 10 Jahren. Diese Neuerung ermöglichte es erstmals, Dateidownloads zu unterbrechen und sie später, ohne Verlust des bereits heruntergeladenen, fortzusetzen. Damit war die Voraussetzung geschaffen, um größere Dateien aus dem Netz zu holen. Zu Zeiten, als ISDN noch als schnelle Internetverbindung galt, war eine einzelne Mp3-Datei durchaus eine Größe. So begann es, dass auf Seiten im Internet Musikstücke als Mp3-Dateien zum Download bereitgestellt wurden.


Zwar ließ die Musikindustrie solche Seiten bald schließen, doch da hatte ein Teenager namens Shawn Fannings mit Napster bereits eine bahnbrechende Software erfunden, die es erlaubte, Dateien zwischen Usern auszutauschen. Bald folgte Morpheus/Kazaa, womit von mehreren Quellen gleichzeitig heruntergeladen werden konnte, schließlich kann man heute schier fast alles, was an Popmusik veröffentlicht wird, in einer Tauschbörse im Netz oder über Bittorrent auf seinen Rechner ziehen, und zwar dank schneller Leitungen ganze Alben in wenigen Minuten. Nun werden diejenigen, die an diesem Datentausch über das Internet teilnehmen (übrigens vielmehr diejenigen, die Musik bereitstellen, nicht so sehr solche, die sie sich herunterladen), seit Jahren von der Musikindustrie als Verursacher von einem volkswirtschaftlichen Schaden in Milliardenhöhe verurteilt und straf- und zivilrechtlich verfolgt. Meiner Ansicht nach ist diese Vorgehensweise jedoch etwas zu kurz gegriffen.


Tatsächlich kommt es stark auf die Betrachtungsperspektive an. Entscheidend ist nämlich, wie man die Musikindustrie definiert. Betrachtet man damit die Gesamtheit des Geschäfts mit Musik? Oder sind damit nur die großen Plattenfirmen gemeint, die so genannten Majors (Sony BMG, Warner Music, Universal und EMI)? Diese sind nämlich in der Tat die Leidtragenden, denn es ist unbestreitbar, dass die CD-Verkäufe in den vergangenen Jahren beträchtlich zurückgegangen sind. Doch daran sind die Manager der Plattenfirmen mit schuld, sie hätten einfach die Veränderungen am Markt erkennen und sich anpassen müssen.


Die Musikindustrie als Gesamtheit der Musikschaffenden leidet nämlich sicherlich nicht unter den Downloads, im Gegenteil. Wie lässt sich sonst die spektakuläre Zunahme an Badgründungen und Live-Auftritten der Künstler erklären? Sicherlich sind vor allem letztere auch als Ausgleich für zurückgehende Einnahmen aus Tonträgerverkäufen notwendig geworden (wobei sich dadurch eher die Verteuerung der Konzerte erklärt), doch andererseits würde sie nicht auf einen solch fruchtbaren Boden fallen, wenn die Nachfrage danach nicht so groß wäre.


Hier kommt meiner Meinung nach das kostenlose Herunterziehen von Musik aus dem Internet ins Spiel: Die Mehrheit der Musikkonsumenten und Konzertbesucher sind jung, junge Leute sind meistens finanziell nicht so gut gestellt. Dank der kostenlosen Musik aus dem Internet können sie eine Unmenge an Künstlern kennen lernen (das Radio erfüllt diese Funktion ja meist leider nicht mehr) und so zu Konzerten gehen, an deren Besuch sie ansonsten im Traum nicht gedacht hätten. Statt in wenige CDs steckt der Verbraucher also sein Geld in den Besuch von Konzerten. Davon hat nicht nur der Konzertbesucher mehr, sondern auch die Künstler, die dort eine deutlich größere Beteiligung erhalten als von Plattenverkäufen und, wie auch diverse andere, die mitverdienen, wie Tourpromoter, Clubs, Kartenverkäufer. Letztlich auch die Plattenfirmen, da begeisterte Konzertbesucher gerne doch das Album kaufen. Ohne dass ich dies auf konkrete Zahlen stützen kann, möchte ich behaupten, dass in den vergangenen Jahren der Gesamtumsatz, der im Musikgeschäft erzielt wurde, eher gewachsen ist als geschrumpft. Es profitieren aber mehr Leute davon als vorher, allen voran die Künstler. Man braucht nur auf die jährlich vom Rolling Stone veröffentlichte Liste der meistverdienenden Musiker zu blicken. Die vorderen Plätze besetzen stets (Alt)Stars, die Dank großer Welttourneen (und nicht Plattenverkäufen) den großen Reibach machen. Die Plattenkonzerne haben dabei eben den kürzeren gezogen. Deshalb kämpfen sie auch so beherzt gegen illegale Tauschbörsen im Internet an.


Übrigens war letzte Woche auf der Jetzt.de-Seite der Süddeutschen Zeitung ein interessanter Artikel über die Firma proMedia, die im Auftrag der Majors Großbenutzer der Internettauschbörsen enttarnt. Interessant dabei ist vor allem, dass Gerichte in Deutschland beginnen, den Aufwand, der hierfür betrieben, in Frage zu stellen. Schließlich würde Ladendieben, die insgesamt einen größeren volkswirtschaftlichen Schaden verursachten, auch nicht so aufwändig auf die Pelle gerückt. Bald könnte die Nutzung von EMule, Bittorrent und Co. also wieder weniger mit dem Risiko einer Straf- und Schadensersatzzahlung behaftet sein.

Freitag, 7. September 2007

Das Bode-Museum

Donnerstag ist ja für mich Museumstag. Mir fehlte als letztes der Häuser der Museumsinsel (abgesehen vom Neuen Museum, das aber erst 2009 wiedereröffnet wird) nur noch das Bode-Museum. Dass ich es bisher noch nicht besucht hatte, lag vor allem daran, dass die Ausstellungen dort mich nicht so sehr interessierten. Es beheimatet die Skulpturensammlung, das Museum für byzantinische Kunst, Werke der Gemäldegalerie sowie das Münzkabinett. In anderen Worten, es dominiert europäische Kunst des Mittelalters, der Renaissance, des barock und der Klassik, wobei eindeutig ein Übergewicht an Kunstobjekten herrscht, das ursprünglich seinen Platz in einer Kirche hatte.


Es war dann auch so, wie ich es erwartet hatte, nämlich dass ich nicht so sonderlich viel mit dem anfangen konnte, was ausgestellt war. Es sind zwar einige nette Exponate dabei und die Ausstellung ist schön präsentiert. Das heißt, der Raum wird genutzt, jedes Stück hat ausreichend Platz und ist gut ausgeleuchtet. Außerdem ist die Ausstellung verständlich nach Themen und Epochen angeordnet. Allerdings tendiert man dazu, sich etwas in den Räumen zu verlaufen, sodass man nicht unbedingt chronologisch vorgeht, das ist aber in meinem Fall eh nicht so wichtig, da ich von der Sache nicht viel verstehe. Insofern ergab der Besuch des Museums aber eine gute Gelegenheit, sich kunsthistorisch zu bilden.


Sehr lohnenswert fand ich dagegen das Gebäude, in dem das Museum untergebracht ist. Von außen zieht es ja durch seine Lage an der Spitze der Museumsinsel ohnehin alle Blicke auf sich, innen ist es aber auch eine Wucht. Besonders beeindruckend sind die Große Kuppel und die Kleine Kuppel mit ihren majestätischen Treppenaufgängen sowie die Basilika. Doch auch viele der Ausstellungsräume geben architektonisch einiges her, vor allem was die Verzierungen der betrifft. Ich fand das oftmals sehenswerter als die Ausstellungen. Die Erbauer, aber auch die Sanierer, des Bode-Museums haben also vortreffliche Arbeit geleistet.


Fotos aus dem Museum und auch aus dem nächtlichen Berlin Mitte gibt es hier.

Donnerstag, 6. September 2007

Ganz die Alten

Das Lido in Berlin Kreuzberg ist ein wunderbarer Club, der von seinem Konzertprogramm her vieles andere in den Schatten stellt. Kein Wunder also, dass ich mich am Dienstag schon wieder dorthin begab, um eine meiner Lieblingskapellen aus Kanada zu sehen, die kurz vor dem Erscheinen ihres neuen Albums Happiness Ltd., die hier zum Anschluss ihrer Europatour gastierten.

Zunächst galt es jedoch wie immer, sich durch die Vorgruppe überraschen zu lassen – das kann stets positiv oder negativ sein. In diesem Fall spielten Young Love aus New York, deren Musik zu charakterisieren ich mir schwer tue. Auch wenn das schwer vorstellbar ist, könnte man sie als eine Mischung aus Emo und New Rave bezeichnen. Versuchen wir es so: Der erste Song hat was von Panic at the Disco! (vor allem gesanglich), der zweite enthält Elemente der Klaxons oder von The Faint, ruhigere Stücke erinnern an Jimmy Eat World oder gar an the Killers. Jedenfalls ist der Gesang meist eher emotional, der Beat diskolastig und die Musik enthält sowohl Rockriffs als auch elektronische Elemente. Alles klar? Vermutlich nicht... Ich fand den Auftritt ganz gut, mir hat aber insgesamt eine klare Linie gefehlt, sodass ich mir, wenn dann das erste Album erscheint, noch mal ein Bild machen muss. Der, zugegebenermaßen gut aussehende, Sänger hält sich auf der Bühne schon für einen Superstar, kann also heiter werden.

Ich war ja ohnehin für den Hauptact gekommen, die aus vier Mitgliedern bestehende Band Hot Hot Heat aus Victoria, British Columbia, in Kanada. Da ich die beiden ersten Alben der Band, die musikalisch als eine der Hauptvertreter der neuen New Wave Generation eingeordnet wird, sehr mag und auch von ihrem letzten Konzert, das ich im Karlsruher Substage besucht hatte, sehr angetan war, freute ich mich sehr und war sehr gespannt. Zudem kannte ich vom bevorstehenden Album nur die vorab veröffentlichte Single „Let Me In“, die bereits im Radio läuft. Diese ließen meine Erwartungen übrigens etwas skeptisch sein, da mir das Stück etwas überproduziert und überladen vorkommt. Ich befürchtete also eine Killerisierung von Hot Hot Heat, also eine zu große Opulenz ihrer Musik. Glücklicherweise wurde ich eines besseren belehrt. Live sind Hot Hot Heat ganz die alten. Die (nur) fünf neuen Stücke, die präsentiert wurden, waren allesamt sehr hörenswert, wenn auch musikalisch aufwändiger als das, was man bisher von Hot Hot Heat kennt. Trotzdem sehr gut. Der Rest des Konzerts wurde mit den zahlreichen altbekannten Krachern bestritten, sodass nichts schief gehen konnte. Das Publikum im nicht ganz vollen Lido (es spielten auch zeitgleich Razorlight, die eine ähnliche Zielgruppe ansprechen, in der Kulturbrauerei), eine eigentümliche Mischung aus Indie Kids und Ü-25 Musikliebhabern, ließ sich gut in Stimmung bringen, was bei der Musik und der Energie, die von der Bühne kommt, kein Wunder ist.


An dieser Stelle muss ich das Publikum im Karlsruher Substage würdigen. Als Hot Hot Heat damals dort spielten, habe ich eines der stimmungsvollsten Konzerte erlebt, die ich bisher besucht habe. Von Anfang bis Ende tobte der Saal, es wurde heftigst gepogt und es waren unablässig Crowdsurfer unterwegs. Auch wenn vor allem letzteres nervt, schwebte eine unheimliche Begeisterung mit und es gab kaum jemanden, der nicht komplett verschwitzt aus dem Club kam. Das liegt sicherlich mit am Substage, wo aufgrund der räumlichen Beschaffenheit des Clubs in einer stillgelegten Unterführung stets eine besondere Stimmung entsteht. Aber ich denke auch, dass das Berliner Publikum deutlich blasierter ist als dasjenige in der Provinz, für das Auftritte guter Bands eine deutlich größere Besonderheit ist. So wurde am Dienstag im Lido zwar auch gut getanzt, jedoch im Vergleich sehr viel gediegener.

Montag, 3. September 2007

Sowjetisches Ehrenmal Berlin Treptow

Imposant, grandios, beeindruckend, erschlagend, größenwahnsinnig, einschüchternd – diese Attribute beschreiben allesamt ein anschauliches Beispiel sozialistisch-diktatorischer Architektur in Berlin, das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park. Etwas Abseits der üblichen Touristenpfade gelegen, sollte es meiner Meinung nach auf keiner Berlin-Sightseeing Tour fehlen, ist es doch ein wichtiges Denkmal der europäischen Nachkriegsgeschichte. 1946-1949 zu ehren der bei der Befreiung Berlins gefallenen Rotarmisten errichtet (5000 Soldaten sind dort auch bestattet), betritt man das Areal durch einen der beiden Triumphbögen, welche den am Anfang der beiden Zugangsalleen stehen. Man erblickt zunächst nur die relativ schlichte und unscheinbare Statue der trauernden Mutter der Nation. Erreicht man diese, wird der Blick jedoch auf das Ehrenmal an sich gelenkt, das kontrastreicher nicht sein könnte: Auf einer Fläche von 10 Hektar ist ein von Bäumen umgebenes Trauerfeld, umrahmt von Sarkophagen an dessen näherem Ende zwei riesige Rostfarbene Dreiecke stehen, die hängenden Fahnen nachempfunden sind und deren Gegenüber am anderen Ende des Feldes eine riesige Soldatenstatue ist, die im Arm ein Kind trägt und mit ihrem Schwert das Hakenkreuz zerschlägt. Der Soldat steht genau auf einer Achse mit der trauernden Mutter, ist alleine 11 Meter hoch, steht jedoch auf einem Hügel und Podest, sodass insgesamt eine Höhe von 30 Metern erreicht wird.


Eine Architektur dieser Art kennt man tatsächlich nur aus Diktaturen, vermutlich wäre ein Ehrenmal der Nazis nicht weniger monumental geraten. Es ist deshalb erstaunlich aber sehr begrüßenswert, dass das Denkmal nicht nur den Zusammenbruch des Kommunismus überstanden hat, sondern in den vergangenen Jahren grundsaniert wurde, ohne dass es dabei verändert wurde. So sind die Inschriften der Sarkophagen unverändert, obwohl sie allesamt Zitate Stalins wiedergeben, welche die Rettung der Sowjetunion und ihrer Nachbarvölker vor der Knechtschaft der Nationalsozialisten glorifizieren. Sicherlich ein Verdienst, der aber aus heutiger Zeit in Anbetracht der Verbrechen der kommunistischen Herrschaft in Osteuropa doch relativiert werden müsste. Doch auch dies gehört zur deutschen und europäischen Geschichte und es ist ein glücklicher Umstand, dass das Mahnmal als Zeugnis der Ereignisse und als (unfreiwilliges) Monument des diktatorischen Größenwahns erhalten geblieben ist. Man versteht jedoch bei seiner Betrachtung weshalb in Estland, wo die Aufarbeitung der Geschichte noch nicht so weit fortgeschritten ist, die Entfernung eines Ehrenmals aus dem Zentrum Talinns, das von der Idee her vermutlich ähnliches vermittelt, für eine solche Aufruhr gesorgt hat.

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