Sonntag, 25. November 2007

Fortbewegung im Winter

Wenn Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt herrschen, wie dies im Moment der Fall ist, hält sich die Lust in Grenzen, das Fahrrad als Fortbewegungsmittel zu nutzen. Damit ist man auf das öffentliche Nahverkehrsnetz angewiesen. Dieses gilt in Berlin (zurecht) als exzellent ausgebaut. Vor allem der 24-Stunden Betrieb ist von unschätzbarem Wert. Am Wochenende fährt sogar die U-Bahn die ganze Nacht. Allerdings richtet sich die Fahrtdauer in Berlin nicht unbedingt nach der zu überwindenden Distanz, vor allem Abends, wenn die Taktzeiten zwischen den Bahnen recht groß sind...



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Ein Beispiel durfte ich zum wiederholten Male gestern Abend erleben, da ich mich von Neukölln nach Friedrichshain begeben wollte, um am Kiez östlich der Warschauer Straße den Abend zu verbringen. Eigentlich ist das ein Katzensprung, mit dem Fahrrad braucht man keine 15 Minuten. Mit U-Bahn und Tram kann man das mit Glück zwar auch fast schaffen, man sollte aber eher eine halbe Stunde und Warten in der Kälte einkalkulieren. Denn man muss 3 Mal Umsteigen, ohne länger als drei Stationen in der selben Bahn zu bleiben.

Die Erklärung für diesen Umstand liegt, wie so oft in dieser Stadt, an der Teilung Berlins. Denn Neukölln und Friedrichhain lagen auf unterschiedlichen Seiten der Mauer. Auch wenn die Verkehrsinfrastruktur Berlins teilweise durchaus älter ist als die die Stadtteilung, setzten Ost- und Westberlin später auf unterschiedliche Schwerpunkte im öffentlichen Nahverkehr. Während im Westen das U-Bahn-Netz kräftig ausgebaut wurden und die Trams schrittweise eingemottet wurden, war im Osten die Tram das Verkehrsmittel, das ausgeweitet wurde. Zudem war die Verbindung zwischen den Verkehrsnetzen nicht mehr wirklich eine Priorität. Heute ist dies nicht überwunden, auch wenn inzwischen die Tram auch wieder gen Westen rollt und Buslinien manche Lücken schließen. Doch ein Blick auf den Verlauf der U- und S-Bahn-Linien lässt teilweise noch immer auf den Grenzverlauf schließen. Hier gibt es Massenweise historische S- und U-Bahn Pläne. Besonders interessant ist derjenige, als die Grenzen schon offen waren, das Netz aber noch nicht integriert war.

Nun ja, auf dem Heimweg wiederholt sich das ganze Spiel natürlich und ich schwor mir gestern zu wiederholten Mal, dass ich nächstes Mal für diese Strecke wieder das Fahrrad nehme. Denn beim Warten auf die Bahn (oder beim Laufen, da es so lang dauert bis die nächste Tram kommt), friert man mehr als auf dem Rad.

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