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Abenteuer in der Großstadt |
Denn wie vierzig Millionen andere Arbeitnehmer in Deutschland bin ich nun in der alltäglichen Routine gefangen, in der man sich als Angestellter befindet: Nach einem (mindestens) acht Stunden Tag, ist man erst einmal froh, endlich nach Hause zu kommen und ein wenig ausspannen zu können. Noch ein paar Erledingungen tätigen, ein wenig herumräumen, essen, ein wenig telefonieren, sich im Internet über das wichtigste des Tages informieren, sich auf den nächsten Tag einstellen, schon ist der Feierabend vorbei und es naht das nächste aus dem Bett quälen am folgenden morgen (um 5 Uhr). Dazu kommt eine gewisse Besessenheit, genug Schlaf zu bekommen, um am nächsten Tag nicht zu müde im Büro zu sitzen. Und das Wochenende? Wird gebraucht für Erledigungen und Erholung von der Woche und bitter herbeigesehnt.
So kommt es, dass ich schon in der typischen Lebensweise gelandet bin, die mir eigentlich nie recht war: Man verbringt die Woche damit, das nächste Wochenende zu erwarten, und kaum ist dieses endlich gekommen, so naht schon wieder der Montag. Das ist die typische „Living fort he Weekend“ Mentalität, die auch oft in britischer Rockmusik besungen wird. Ich fand den Gedanken, so zu leben, früher ziemlich erschreckend. Damit muss man sich aber wohl abfinden, fürchte ich. Fehlt nur noch, dass man Freitag Abends seine Lohn versäuft... Glücklicherweise sind wir ja in Deutschland mit vielen Urlaubs- und Feiertagen gesegnet. Außerdem geht es mir ja eigentlich gut! Irgendwie gibt es ja immer irgend etwas, was einem nicht passt. Doch an die Vorstellung, dass das jetzt 40 Jahre so geht, muss ich mich erstmal gewöhnen...
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Bei den Republikanern ist ohnehin alles offen. Vor allem der Sieger Mike Huckabee ist interessant, glaubt man aber meinen Lieblingsanalysten von electoral-vote.com, dann ist er langfristig chancenlos. Er ist nämlich zum einen zu wertekonservativ, um über die fundamental-christlichen Kreise hinaus bei den Republikanern hinaus anzukommen, und viel zu links was wirtschaftliche Dinge anbelangt (für Steuererhöhungen, Umverteilung, Reform des Gesundheitssystems), um dem Republikanermainstream zu gefallen. Viel wichtiger noch: er ist fast pleite, das ist in einem Land, wo Geld im Wahlkampf entschieden ist, fast schon das Ende. Die Favoriten in diesem extrem offenen Rennen bleiben Mitt Romney (Ex-Gouverneur von Massachussets, Mormone, viel Geld), Senator John McCain (wenig Geld aber sehr erfahren, vor allem in der Außenpolitik) und Rudy Guiliani (der berühmte Ex-Bürgemeister von New York, hat auch sehr viel Geld, gilt aber als zu liberal für viele Republikaner). Vor allem letzterer hat eine herbe Niederlage in Iowa eingesteckt, von der er sich wieder erholen muss. Aber wie gesagt, entscheidend wird das Abschneiden am super-duper-Tuesday am 5. Februar. Außerdem ist das eh nicht so wichtig, denn wahrscheinlich gewinnt schlussendlich ein Demokrat die Präsidentschaftswahl...
Jetzt wo 2008 angebrochen ist, lohnt es sich, wieder nach vorne zu schauen, denn mich erwartet als politisch interessierter Mensch, der vor allem leidenschaftlich gerne Wahlen als Beobachter verfolgt, eine spannende Zeit. Heute geht es los, denn der Caucus in Iowa setzt den Startschuss zu den amerikanischen Präsidentschaftswahlen. Diese sind für ‚political junkies’, wie die Amerikaner sagen, sehr dankbar, da sich Dank der Vorwahlen die Entscheidungsphase über Monate hinzieht. Ab heute entscheiden also die Anhänger der beiden großen Parteien der USA, wer für sie ins Rennen um das Weiße Haus geht. Eigentlich ist die Vorwahl in Iowa recht unbedeutend: Der Staat ist klein, ländlich, konservativ und mehrheitlich von Weißen bewohnt, also vollkommen unrepräs
entativ. Der einzige Grund, weshalb so ein Buhei um die Angelegenheit gemacht wird, ist dass hier die erste Vorwahl stattfindet: Die Medien werden sich auf den Gewinner und vermeintliche Verlierer stürzen, was viel wichtiger ist, als das eigentliche Ergebnis. Das gleiche gilt im übrigen für die Vorwahl in New Hampshire nächste Woche, das genauso klein und unrepräsentativ ist. Ein Datum, das man sich merken sollte, ist der 5. Februar, auch 'Super-duper-Tuesday' genannt, da dann in 22 Staaten, darunter Kalifornien und New York gewählt wird. Vielleicht steht dann schon fest, wer die Kandidaten sind. Verfolgen kann man das alles hier.
Auch in Frankreich gibt es dieses Jahr wieder Wahlen, die ‚élections municipales’, bei denen im März in den über 36.000 Städten und Dörfern des Landes Bürgermeister und Gemeinderäte bestimmt werden. Klingt banal, ist es aber nicht, dann nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen sind dies für die Franzosen die wichtigsten. Auch treten sämtlcihe Spitzenpolitiker irgendwo an, der Député-Maire (Abgeordneter in der Nationalversammlung und zugleich Bürgermeister einer Stadt) zählt sehr viel. In den Kommunalwahlen jedoch einen Test für die Politik Sarkozys zu sehen wäre jedoch falsch, denn wie überall spielen lokale Begebenheiten eine wichtige Rolle. Spannend wird es sein zu verfolgen, inwiefern es die Linke schafft, sich in den von ihr vor sechs Jahren gewonnenen Großstädten Paris und Lyon zu behaupten und weitere hinzuzugewinnen, wie Toulouse oder Bordeaux (wo ja Alain Juppé Bürgermeister ist und im letzten Jahr bereits sein Abgeordnetenmandat an seine sozialistische Gegnerin verlor).
Schließlich finden in Deutschland einige wichtige Landtagswahlen statt, alle in momentan von der CDU (bzw. CSU) regierten Bundesländern: Bereits Ende Januar in Hessen und Niedersachsen, im Februar in Hamburg und im Herbst in Bayern. Spannend wird es wohl vor allem in Hessen und Hamburg: Koch wird wohl seine absolute Mehrheit verlieren, doch was passiert, wenn es eine mögliche Mehrheit für Rot-Rot-Grün gibt? Ole von Beust ist in Hamburg in einer noch schwierigeren Situation, denn sein möglicher Koalitionspartner, die FDP, schafft es laut Umfragen nicht in die Bürgerschaft. Gibt es hier erstmals auf Landesebene eine Schwrz-Grüne Koalition? Oder Rot-Rot-Grün? Ich fürchte, in beide Fällen gibt es das leider immer verbreitere Szenario der großen Koalition (was ich als den schlechtesten Fall ansehen, da das meist bedeutet, dass Wahlverlierer zusammengehen und eine Konstellation regiert, die keiner wollte). Umfragen für alle Bundesländer hier.
Die nächsten Monate werden also nicht langweilig, zumal 2008 ja auch sportlich (wie jedes gerade Jahr) und musikalisch sehr viel versprechend ist...