Dienstag, 17. Juli 2007

Altes Museum

Es war wieder Donnerstag und schlechtes Wetter, Zeit also, wieder ein Berliner Museum zu besuchen. Diesmal nahm ich mir das Alte Museum vor, das ich ja in der Woche zuvor aufgrund des starken Regens nicht mehr erreicht hatte... Das ehemalige „Königliche Museum“, ältestes der Museumsinsel, beherbergt zur Zeit zwei Sammlungen. Zum einen die Antike Sammlung, zum anderen das Ägyptische Museum samt Papyrussammlung. Letzeres wird allerdings bei der Fertigstellung von dessen Sanierung im Jahr 2009 ins Neue Museum umziehen.


Ich beschloss chronologisch vorzugehen und nahm mir folglich zunächst das Ägyptische Museum vor. Dieses schlägt einen Bogen über 3000 Jahre ägyptischer Geschichte und zeigt Stücke die aus der Zeit zwischen dem frühen Reich und der römischen Besatzungszeit zu Anfang unserer Zeitrechnung. Von Grabeskunst aus den Pyramiden, Sarkophagen, Mumien und Mumientücher, irdischerer Kunst wie Büsten und Bildnisse von Herrschern, Handwerkskunst, aber auch Alltagsgegenständen, die das Leben der alten Ägypter veranschaulichen sollen wird vieles geboten. Nicht zu vergessen ist die Papyrussammlung mit beeindruckenden Exponaten nicht nur ägyptischer Herkunft. Das Herz der Ausstellung ist dabei natürlich die berühmte Büste der Nofretete, die in der Tat beeindruckend ist. Das ganze ist sehr gut ausgestellt, vor allem die Beleuchtung ist gut gemacht. Anders als im Pergamonmuseum sind auch die Erklärungen deutlich besser.


Im Mittelpunkt der Antiken Sammlung steht die Rotunde im Herzen des Alten Museums. In einem runden Kuppelsaal sind dabei auf zwei Ebenen Statuen der griechischen Gottheiten versammelt. Dies ergibt ein sehr schönes Ensemble, das mir so gefallen hat, dass ich mir gleich ein Poster Kaufen musste, um es in meinem Zimmer aufzuhängen. Ansonsten ist die Ausstellung ebenfalls deutlich besser gemacht als im Pergamonmuseum. Sie ist allerdings schwer vergleichbar, da hier weniger Statuen und Brechstücke von Tempeln zu bewundern sind als Kunstgegenstände wie Skulpturen, Vasen, Krüge und so weiter. Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut und führt durch die Geschichte der griechischen Kultur von ihren Anfängen bis zur Römerzeit. Letztere kommen allerdings sehr kurz, werden aber nach Fertigstellung der Sanierung der Museumsinsel ihren vollen Platz bekommen. Das ganze wird sehr aufschlussreich durch knappe, aber sehr informative Informationen begleitet. Das Alte Museum ist also mehr zu empfehlen als das Pergamonmuseum.


Photos hier!

Freitag, 13. Juli 2007

Tanzen auf zwei Hochzeiten

Es ist zwar schon ein Weilchen her, aber die schöne Dankeskarte, die kürzlich ins Haus geflattert kam, erinnert mich an ein Versäumnis, das es noch begleichen gilt. Vor inzwischen über drei Wochen hatte ich das Vergnügen, gleich auf zwei wichtigen Festen eingeladen zu sein. Zum einen feierten Axel und Ellen den bereits angekündigten zweiten Teil ihres Hochzeitsfestes. Zum anderen zelebrierte ein anderer Mensch, der mir sehr nahe steht, eine wichtige Entwicklungsstufe in seinem Leben: mein kleiner Bruder Rémi hatte sein Abitur bestanden und der Abiball stand an, um dies gebührend zu feiern. Was blieb mir also anderes übrig, als den Partyhopper zu spielen?


Zunächst ging es also nach Geschwend, gelegen im oberen Wiesental, wo die Brautleute, frisch zurückgekehrt von ihrer Hochzeitsreise in Italien, das perfekt gelungene Hochzeitsfest aus Bad Reichenhall wieder aufgriffen um in größerem Kreis und gelösterer Atmosphäre weiterzufeiern. Das ganze geschah in der wunderbares Kulisse des alten Schwarzwaldhauses des Blasihofs, welcher der Familie eines guten Freundes von Axel gehört. Wunderbar also, um gemütlich zusammen zu sein, zu schlemmen, und mit dem Brautpaar das Leben zu genießen. Leider musste ich mich vor dem programmatischen Höhepunkt der Feierlichkeiten, dem Auftritt der Band von Axels Bruder Nico, Rather Different, der wie ich hörte äußerst famos war, auf den Weg nach Schopfheim machen.


Dort wartete nämlich ebenfalls ein programmatischer Höhepunkt auf mich. Die Abiturienten des Theodor Heuss Gymnasiums feiern sich traditionell in der Stadthalle und ich kam zur Rechten Zeit, um das Abendessen mitzunehmen und der Zeugnisübergabe beizuwohnen. Was im Vergleich zu meiner Abifeier auffällt: Die wenigen Lehrer, die ich noch kenne, sind doch ziemlich ergraut und die Zahl der Abiturienten hat sich inzwischen fast verdoppelt. Darüber zu meditieren blieb mir aber nicht viel Zeit, denn schon ging’s wieder nach Geschwend.


Dort kam ich ebenfalls noch rechtzeitig, um etwas vom exquisiten Abendessen mitzunehmen. Obwohl ich schon satt war, musst ich noch mal zugreifen, denn das Grillfleisch und die Beilagen konnte man einfach nicht liegenlassen, sie waren zu gut. Inzwischen hatte vor allem der alte wiesentäler Freundeskreis von Axel gut bei exquisiten Schnäpsen und Rothaus Bier vom Fass gut zugelangt, sodass ich zum einen Nachholbedarf hatte, zum anderen weiterhin gemütlich und in gelöster Atmosphäre gefeiert wurde. Ein Genuss in dieser Location. Wir lieferten dann auch die Peinlichkeit des Abends, indem wir – zugegebenermaßen nicht vor der ganzen Hochzeitsgesellschaft – auf der Blockflöte für Axel ein kleines Geburtstagsständchen erbrachten. Geburtstag hatte er nämlich an diesem Tage auch... Wie sich das ganze wirklich anhörte, kann ich als selbst spielender schwer beurteilen, jedenfalls brachten wir den Hund zum Heulen. Gegen zwölf begann dann leider schon die allgemeine Aufbruchstimmung, geschuldet vor allem der Tatsache, dass es doch ein Stück zu fahren gab und nüchterngebliebene bzw. abholende Eltern nun gerne nach Hause wollten.


Deshalb lohnte es sich auch noch, auf dem Heimweg nochmal einen Abstecher in der Stadthalle Schopfheim zu wagen, wo uns Daniel – besagter nüchterngebliebener – uns netterweise absetzte. Inzwischen war von der formalen Atmosphäre der Zeugnisübergabe nicht mehr viel zu sehen, außer vielleicht ein paar versprengten Abiturienten, die noch immer ihren Anzug trugen. Untermalt von der lokalen Partycoverband Six for You hatte sich das Fest zum traditionellen Kollektivbesäufnis von Abiturienten, Schülern und ein paar Lehrern gewandelt. Wir fühlten uns aufgrund unseres Zustandes dort sehr gut aufgehoben, wenn uns auch aufgrund des Altersdurchschnitts doch bewusst wurde, dass unser Abitur inzwischen doch einige Jahre zurücklag. War dennoch sehr spaßig, auch der Plausch mit unserer alten Englisch- und Französischlehrerin Frau Müller, die uns ruhig hätte das Du anbieten können! Glücklicherweise war mein Papa auch noch da, sodass wir dann zu später Stunde irgendwann bequem nach Hause kutschiert wurden.

Dienstag, 10. Juli 2007

Das Pergamonmuseum

Eigentlich ist es ja eine Schande. Ich bin nun schon über vier Monate in Berlin und bisher hatte ich noch kein einziges der zahlreichen Museen der Stadt betreten. Nun, ich habe, wie ich finde, recht passable Ausreden. Zum einen war bis vor ein paar Wochen das Wetter seit meiner Ankunft hier fast immer blendend, sodass ich nicht nach drinnen ins Museum wollte. Zweitens musste ich ja arbeiten. Doch beides ist nun vorbei. Bei dem schlechten Wetter und der Zeit, die ich nun zur Verfügung habe – das ist übrigens gar nicht so viel wie man denken mag – ist es nahe liegend, dass ich mich mal im reichhaltigen Berliner Museumsangebot umschaue.


Dazu war der letzte Donnerstag bestens geeignet. An diesem Wochentag haben die staatlichen Museen stets bis 22 Uhr geöffnet, zudem ist der Eintritt ab 18 Uhr frei. Ich machte mich also auf zur Museumsinsel, eigentlich mit der Absicht, mir das Alte Museum anzuschauen. Da aber just als ich aus der U-Bahn kam ein sehr heftiger Regenguss herunterprasste, beschloss ich kurzerhand, statt dessen im auf dem Weg liegenden Pergamonmuseum ins trockene zu gehen. Das wohl berühmteste der Museen der Museumsinsel ist auch durchaus sehenswert, auch wenn ich nicht total überzeugt war. Das lag natürlich auch an der Tatsache, dass ich nicht der einzige war, der die kostenlosen Donnerstagabende nutzen wollte.


Das Pergamonmuseum besteht eigentlich aus drei unterschiedlichen Sammlungen. Jede von ihnen ist um ein Herzstück angelegt, die jeweils absolute Highlights sind. Die erste Sammlung um den Namensgeber des Museums, das Zeustor aus Pergamon, ist die Antike Sammlung. Das berühmte Tor ist in der Tat äußerst imposant, vor allem wenn man sich vergegenwärtigt, zu was für einem gigantischen Tempel es gehörte. Die dazugehörige Sammlung ist ganz nett, aber etwas chaotisch und für sich genommen eigentlich nichts besonderes. Die Tempelfragmente wären in Griechenland besser aufgehoben. Das selbe lässt sich auch über das Vorderasiatische Museum sagen, das zwar ein paar interessante Stücke aufweist, insgesamt aber auch ein bisschen chaotisch daherkommt. Ihr Herzstück aber, das Ischtartor, ist sehr beeindruckend und schön. Am besten hat mir ohnehin das Museum für islamische Kunst um ihr Herzstück, die Fassade der Mschatta, einem Tempel aus Jordanien. Auch das Zimmer aus einem syrischen Christenhaus ist eine Wucht. Insgesamt ein äußerst lohnender Besuch also, schade, dass die ohnehin teilweise etwas chaotischen Ausstellungen auch noch durch eine zusätzliche temporäre Ausstellung zur Entwicklung der Sprache, die zwischen den anderen Dingen untergebracht wurde etwas überlastet wirkt.

Montag, 9. Juli 2007

Open Air Sankt Gallen - Tag 3

Auch diese Nacht war wieder sehr kurz und schlaflos, doch ich muss sagen, man gewöhnt sich fast an die Steilhanglage. Nach dem Entrosten am Morgen hieß es dann schon Zusammenpacken, damit wie nach dem letzten Konzert relativ entspannt wegkommen. Der kleine Ausflug zum Parkplatz tat auch allen sehr gut, wir genossen die relative Ruhe, das saubere Klo und unsere letzte Campingmalzeit. Es sollte sich heraus stellen, dass die Entscheidung, alles schon wegzupacken sehr gut war, da später noch ein heftiges Gewitter mit Regengüssen auf uns herunterkam.

Gerade noch rechtzeitig schafften wir es zurück zum Wir sind Helden Konzert auf der Sitterbühne. Was will man sagen, die Helden sind einfach nett, fast etwas zu nett für eine Rockband. Alle mögen sie, das ist auch verdient, denn sie machen gute Musik und verbreiten gute Stimmung. Das bewiesen sie auch wieder in Sankt Gallen, wo sie aus dem Publikum trotz der allgemein herrschenden Müdigkeit und der drückenden Hitze noch einiges herauslockten. Wobei die alten Stücke deutlich besser ankamen als diejenigen vom neuen Album. Das ist vielleicht noch zu wenig bekannt – oder einfach nicht so gut gelungen... Aber sie schwätzen auch ein bisschen viel und sind auch ein bisschen zu lieb – fast schon gaga. Man kann ja nett sein, aber Rockstars – und das sind die Helden nun mal – müssen auch mal ein bisschen fies sein!

Den Auftritt von Olli Pocher ersparte ich mir und ging lieber noch mal ein wenig baden, um dann aus sicherer Entfernung den Arctic Monkeys zu lauschen. Diese haben sich musikalisch und in Sachen Bühnenpräsenz im Vergleich zum letzten Mal, als ich sie gesehen habe, positiv entwickelt. Ich war also recht angetan. Rémi hingegen, der wieder vorne im Mob dabei war, schätzte eher ihren dreckigen Abgehrock aus dem ersten Album und war insgesamt doch recht enttäuscht vom Konzert. Zumal sie sein Lieblingsstück „Mardi Bum“ verhunzt haben. Ich seilte mich dann ohnehin frühzeitig ab, um zur Nebenbühne zu gehen.

Dort wären nun eigentlich Bright Eyes an der Reihe gewesen, doch die hatten abgesagt, weil Connor Oberst, der Flugangst hat, nicht von Skandinavien, wo die Band am Samstag spielte, runterfliegen wollte. Für den Landweg war die Strecke dann doch zu lang. Hätten sie sich ruhig vorher überlegen können. Das war aber dann sowieso halb so schlimm, denn mit Art Brut ein zwar sehr gegensätzlicher, aber sehr guter Ersatz gefunden wurde. Eigentlich gibt’s zu Art Brut nur eins zu sagen: die sind total durchgeknallt. Das Konzept besteht darin, dass die Band Rockmusik spielt und abgeht wie Schmidt’s Katze und Sänger Eddie Argos dazu in einer Art Sprechgesang Lebensweisheiten von sich gibt, seiner Jugend Nachtrauert und Geschichten aus seinem Leben erzählt. In einem Auftritt nicht darf zudem nie vor jedem Stück die Frage „ready, Art Brut?“, und mindestens einmal im Laufe des Konzerts der Aufruf, an alle im Publikum, sie sollten Bands gründen. Das alles zusammen ergibt ein geiles Rockkonzert.

Pünktlich zum letzten Konzert auf der Hauptbühne, demjenigen von Snow Patrol, brach dann das Unwetter aus. Wir brachten uns und unsere Sachen im Zelt der Sternenbühne in Sicherheit. Timo lauschte einem Großteil des Konzerts vor der Bühne. Ich ging für einige Stücke in Badehose hin und fand es umso mehr schade, dass man nicht allem lauschen konnte, denn es war richtig gut. Snow Patrol kann inzwischen live ziemlich rocken, die sentimental-rockigen Stücke aus dem Album Eyes Open klappen live wunderbar. Ich ging dann für den Über-Kuschelrocker „Chasing Cars“ noch mal vor, doch dann wurde mir endgültig zu kalt – ich trug dann tatsächlich Halsschmerzen davon. Schade um das gute Konzert.

Als es sich dann noch immer nicht ausregnete improvisierten wir aus unserer Zeltplane einen gemeinsamen Regenschutz, unter den wir dann unterwegs noch ein paar mehr Leute aufnahmen, und es ging wieder Richtung Bus zum Parkplatz. Ein wunderbares Wochenende nahm sein Ende, doch länger hätte es nicht dauern dürfen. Das hätten wir in dieser Intensität nicht durchgehalten.

Nächstes Jahr findet das Open Air Sankt Gallen übrigens von 26.-29.06 statt. Vormerken!

Freitag, 6. Juli 2007

Open Air Sankt Gallen – Tag 2

Nach einer furchtbaren Nacht – bestimmt durch die Musik von Goose aus dem Zelt der Sternenbühne (Auftritt ab 3 Uhr!), besoffenes gegröle und die Furchtbare non-stop Beschallung aus der Prollobar in Zeltnähe – war es doch sehr schwierig, am Samstag morgen wieder in Gang zu kommen. Dies lie­ß mich befürchten, dass ich nicht lange genug durchhalten können würde. Tatsächlich spielten heute eine ganze Reihe von hochkarätigen Bands, die ich alle schon seit langer Zeit gerne live erleben wollte, was mir bis dahin verwehrt geblieben war. Die Befürchtungen waren aber unbegründet, nicht zuletzt Dank eines chilligen Tages, eines belebenden Bergflussbades in der Sitter und der Kraft guter Musik.

Wir ließen die Auftritte von gut klingenden Bands wie Stress und the Locos verstreichen und begannen unseren musikalischen Tag mit dem Auftritt der Frames auf der Sternenbühne. Inzwischen waren Julia und Lilly zu uns gestoßen. Seit ich Dank meines Freundes Pierre-Yves ihr Live-Album Set List entdeckt hatte, warte ich schon darauf, diese Band live erleben zu dürfen. Ihr irisch angehauchter Schrammelpoprock macht die Frames zu einer Art irischem Pendant zu Coldplay. Der Auftritt gefiel mir auch sehr gut, die Musik geht schön unter die Haut. So viel es auch schwer, die Sternenbühne frühzeitig in Richtung Sitterbühne zu verlassen, doch den dortigen bevorstehenden Auftritt konnte man einfach nicht verlassen.

Denn dort war nun Bloc Party an der Reihe, also weitere Helden des Superjahres 2005, die in diesem Jahr ebenso ein famoses zweites Album herausgebracht haben. Nachdem ich das Berliner Konzert aufgrund seines frühzeitigen Ausverkauftseins sicht hatte besuchen können, war dies nun ein guter Trost. Der Sound von Bloc Party eignet sich exzellent zum abgehen, so hat die Band das Publikum natürlich sofort in der Tasche. Glücklicherweise ist es vor der Bühne auch noch nicht allzu überfüllt, sodass man auch noch ein bisschen Platz zum tanzen hat. Vor allem die Hits vom ersten Album kommen super an. Obwohl mir Album Nummer 2, besser gefällt muss ich zugeben, dass seine Stücke live nicht ganz so gut funktionieren. Trotzdem war ich vollkommen begeistert.

Nun musste die Pause genutzt werden, um sich zu stärken, da jetzt der Auftritt der Beatsteaks bevorstand, bekannt dafür, dass es bei ihren Konzerten für das Publikum kein halten mehr gibt. Das stimmte auch in diesem Fall, zumal Herr von Arnim das Publikum auch ausreichend provozierte, um das letzte aus ihm rauszuholen, nicht zuletzt mit dem Ausruf: „Jetzt tobt der ganze Saal“ (sic!). Entsprechend war ich froh, etwas nach hinten geflüchtet zu sein, denn Kampfpogo war noch nie so ganz meins. Jasmin hat übrigens dabei ein Knöchelverletzung davongetragen... Aber geil war’s trotzdem!

Für die Kaiser Chiefs haben wir uns dann wieder nach vorne gekämpft. Man braucht gar nicht mehr zu erwähnen, dass Rémi schon wieder ganz vorne war... Das hätten wir vielleicht auch machen sollen, denn man stand schon extremst dicht gedrängt. Das war etwas schade, denn so konnte man gar nicht gebührend abgehen. Denn obwohl ich vom zweiten Album der Kaiserchiefs – übrigens auch Helden des Jahres 2005 – nicht so ganz überzeugt bin, muss man sagen, dass die vier live einfach der Hammer sind. Das kann man nicht anders sagen. Nicht nur, dass die Musik einfach jeden in Bewegung bringt, sondern Ricky Wilson hat eine beeindruckende Kondition, wie sein auf- und ab springen und rennen auf der Bühne beweist.

Nach diesen mehreren Stunden Ausdauersport musste man nun schon seine letzte Energie zusammenkratzen, um noch weiter durchzuhalten. Doch da nun der Auftritt der band bevorstand, der ich schon seit Monaten am meisten entgegenfieberte, blieb mir gar nichts anderes übrig. Um 0.45 Uhr war nämlich Arcade Fire an der Reihe, und wir waren aus nächster Nähe dabei! Jan Wigger hatte in Spiegel Online in seiner Berichterstattung vom Hurrican Festival angesichts des Arcade Fire Auftritts bereits von einer Offenbarung geschrieben. Dem kann ich vollkommen zustimmen! Die Band tritt mit einer solchen Überzeugng auf, dass alle mitgerissen werden. Alle Bandmitglieder, auch diejenigen, die kein Mikro vor sich haben, singen mit voller Power mit. Wer gerade mal kein Instrument hat, ist mit dem Tamburin dabei, so als sei es das wichtigste Instrument. Alle sind Multiinstrumentalisten und tauschen während des Auftritts die Plätze. Und die Hintergrundgesänge klingen so, als kämen sie aus dem Publikum – auch wenn dort kaum einer mitsingt. Wie das geht, ist mir ein Rätsel. Sicher ist jedoch, dass die Musik so was von unter die Haut geht, dass die Emotionen hoch kochen. Ich war zeitweise den Tränen nahe! Gespielt wurden die meisten Stücke aus dem neuen Album Neon Bible, dazu noch drei kracher aus dem Debut Funeral – „Neighbourhood #1 (Tunnels)“, „Power Out“ und „Rebellion (Lies)“. Schade, dass dieses wunderbare Erlebnis nach einer guten Stunde schon vorbei war, es hätte noch endlos weitergehen können (zumal Julia sehr enttäuscht war, dass ihr Lieblingslied „Window Still“ nicht gespielt wurde). Jedenfalls wirken die klasse Alben gegen diesen Liveauftritt schon fast blass. Hoffentlich kommen Arcade Fire bald noch mal nach Berlin, da stehe ich dann wieder in der ersten Reihe!

Donnerstag, 5. Juli 2007

Open Air Sankt Gallen – Tag 1

Für mich begann der musikalische Teil des Festivals von weitem – im Hintergrund zur Erkundung der Örtlichkeiten konnte ich Jan Delay lauschen. Dieser entpuppte sich Live als sehr große angenehme Überraschung. Ich kann dies zwar nur akustisch bezeugen, doch laut Rémi war er auch der Hammer, wenn man schon vor der Bühne stand.


Mitten im Geschehen war ich dann aber schon zum ersten Höhepunkt des Festivals – dem Auftritt von Maxïmo Park. Als Helden des England-Brennt-Jahres 2005 und mit phänomenalen zweiten Album aus diesem Jahr konnte das Konzert nur gut sein, und das war es auch – es war richtig geil. Auf jeden Fall der Höhepunkt des ersten Tages. Die Mischung aus guten Texten, sehr gut tanzbarer Rockmusik und unglaublicher Bühnenpräsenz reichte, um das Publikum auf Anhieb in fahrt zu bringen, und uns natürlich mittendrin auch. Rémi, Jasmin und Timo hielten es die ganze Zeit in der ersten Reihe aus, wir alten flüchteten ein paar Meter nach hinten in etwas weniger heftige Gefilde, wo man aber noch immer wunderbar abgehen konnte. Ein Super Start also.


Der darauf folgende Auftritt von Placebo war allerdings etwas enttäuschend. Ich bin ohnehin nicht ihr größter Fan, finde aber die Musik schon immer ganz gut hörbar. Leider ist die band um Brian Molko live auch recht lahm und die Jammerstimme des Sängers klingt live noch jammeriger. Das nervt etwas. Und wenn man eh schon ziemlich fertig ist, weil man den halben Tag Sachen durch die Gegend geschleppt hat und grad beim vorherigen Konzert voll abgegangen ist, macht das einen nur müde. Gut gefallen hat mir des letzte Drittel des Auftritts mit seinen ausufernden Intrumentalsoli. Da zeigten Placebo, dass sie schon rocken können, wenn sie wollen.


Nach einem Süppchen um uns etwas aufzupäppeln entschieden uns Anette und ich gegen LCD Soundsystem – leider, denn das muss richtig gut gewesen sein – und gingen zur kleinen Bühne, um uns die Klaxons anzuschauen. Diese Newcomerband aus England wurde in den letzten Monaten von der Musikpresse stark gehypt und bezeichnet ihre Musikrichtung selbst als New Rave – man könnte auch sagen Diskorock mit Elektroeinflüssen. Klang auf Platte ganz gut, sodass ich schon neugierig war. Leider war auch dieser Auftritt etwas enttäuschend. Die Musik ist zwar ganz nett, es wirkt aber live doch etwas holprig. Man hat irgendwie das Gefühl, dass die vier Jungs noch etwas üben müssten. Aber sie sind ja noch blutjung und können an Bühnenpräsenz und Livespiel noch arbeiten... Die Platte ist aber trotzdem gut – lohnt sich mal anzuhören!


Demnächst geht’s weiter mit Tag zwei.

Mittwoch, 4. Juli 2007

Open Air Sankt Gallen

Nach längerer heimaturlaub- und damit verbundener freizeitstressbedingter Blogenthaltsamkeit melde ich mich zurück und nutze die lange Zugfahrt nach Berlin, um die letzten Tage aufzuarbeiten.

Sankt Gallen ist nicht nur eine beschauliche Schweizer Kleinstadt mit renommierter Universität im Alpenvorland südlich des Bodensees. Der Sittertobel, eine Parkanlage der Stadt, wird auch einmal jährlich zur Kulisse eines sehr ansehnlichen Open-Air Musikfestivals. Dieses habe ich zusammen mir meiner alten Freundin Anette, meinem Bruder Remi und zwei seiner Freunde, Jasmin und Timo besucht. Meine Heidelberger Freundin Julia und ihre Schwester Lilly stießen ein Tag später noch zu uns. Ausgestattet mit Zelten und den nötigen Alkohol- und Essensvorräten reisten wir am Freitag Mittag an. Wie sich bei der Ankunft am Festivalgelände herausstellen sollte, war dies etwas spät. In der Tat waren quasi alle verfügbaren Plätze, die sich zum Aufstellen eines Zeltes eigneten, bereits besetzt mit Zelten, Pavillons und anderen Konstruktionen. Nach stundenlanger Suche in der brennenden Hitze gaben wir auf und entschieden uns für einen Platz am Steilhang in der Nähe einer Bar für Festivalprolls. Dies alles sollte sich später als wenig förderlich für die Nachtruhe herausstellen, doch immerhin konnten wir unsere Zelte aufschlagen und uns endlich unser erstes kühles Bier genehmigen. Wir hatten zwei Kühlboxen mit tiefgekühlten Bierflaschen dabei, sodass wir tatsächlich bis Samstagabend noch kühles Bier hatten!


Wir waren ja ohnehin nicht für den Schlafkomfort da, sondern für die Musik. Das Programm des Festivals las sich ja auch wie ein Best Of der aktuellen (vor allem britischen) Indie-Musik. Auf der Hauptbühne traten unter anderem Maxïmo Park, Placebo, LCD-Soundsystem, Bloc Party, die Beatsteaks, The Kaiserchiefs, Arcade Fire, Wir sind Helden, Arctic Monkeys und Snow Patrol auf. Dazu kamen noch ein paar nette Bands auf der Nebenbühne, noch immer sehr hochkarätig, obwohl leider Mika und Bright Eyes abgesagt hatten. Dazu aber später mehr.


Der immense Vorteil am Open Air Sankt Gallen ist die Entspanntheit, mit der das ganze Festival vor sich geht. Obwohl es ein 35 000 Besucher (pro Tag!) Festival ist, gibt es keinerlei separaten Zugangskontrollen und –begrenzungen zum Bühnenbereich. Ist man erstmal auf dem Festivalgelände, so kann man sich uneingeschränkt bewegen und kann auch seine Getränke mit vor die Bühne nehmen – bei der herrschenden Hitze äußerst angenehm. Man kann auch sehr schnell veon einer Bühne zur anderen gelangen, was es erlaubt, ein maximum an Musikvergnügen mitzunehmen. Natürlich gibt es auch genug Festivalprolls, doch die sind auch auszuhalten – die große Menge and Haschisch- und Cannabisprodukten die konsumiert wird, trägt wohl zur Ruhigstellung bei.


Eine ziemlich Qual war hingegen die Übernachtung. Wie erwähnt hausten wir ja an einem Steilhang, was dazu führt, dass der Zeltboden zu einer Rutschbahn wird und man sich quasi st:andig mit den Füßen abstützen muss. Zudem hat man ständig angst, dass des Zelt zusammenbrechen könnte, weil bergsteigende Besoffene sich daran Festhalten. Schließelich mussten wir unter der Dauerbeschallung – die ganze Nacht – von der Prollobar leiden, deren Musik irgendwie auch Nachts lauter wirkte. Glücklicherweise half ein Käffchen am nächsten Morgen, uns wieder etwas Leben einzuhauchen. Auch das Bad in der eiskalten Sitter wirkte äußerst belebend und erfrischend. Und wenn man vor der Bühne steht und zu geiler Musik abgehen kann, ist die Müdigkeit sowieso im Nu verflogen.


Was für ein Glück wir mit dem Wetter hatten konnten wir übrigens auch noch feststellen. Die Hitze, die am Wochenende vorherrschte setzte uns zwar zu, doch das Gewitter mit Platzregen, das zum Ende des Festivals am Sonntagnachmittag auf uns hereinbrach verwandelte das Gelände in eine Schlammlandschaft und die noch stehenden Zelte purzelten den Berg herunter (unsere waren zum Glück schon abgebaut). Zum Schluss ging es dann unter des Zeltplane als Schildkröte zum Bus zurück zum Parkplatz und der Vorsatz steht schon fest: Nächstes Jahr sind wir wieder dabei. Und dann reisen wir ganz früh an, haben einen tollen Platz in der Ebene in der Nähe des Flusses und (mindestens) einen mit Stroh ausgelegten Pavillon dabei.

Fotos gibt es hier!

Mehr zu den einzelnen Bandauftritten gibt’s im nächsten Post.