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Montag, 20. Juni 2011

Die rosa Stadt – Jaipur

Wir durchqueren über Nacht mit dem Zug fast ganz Rajastan und kommen morgens in dessen Hauptstadt Jaipur an. Dies ist gleichzeitig unsere erste Station im „goldenen Dreieck“, deren beiden anderen Ecken Agra und Delhi bilden. Jaipur ist ebenfalls geprägt von einer Dynastie von Rajputen-Maharadschas. Auch hier gibt es einen prunkvollen Palast, im benachbarten Amber, der alten Haupstadt dieser Dynastie, gibt es zudem prächtige Forts. Mit Jaipur werden wir nicht ganz warm. Die Stadt ist deutlich größer und unübersichtlicher als die anderen Städte, die wir vorher in Rajastan besucht haben. Auch ist es hier extrem geschäftig, in der großen Altstadt reiht sich ein Geschäft an das andere.
Jantar Mantar Jaipur
Dennoch hat Jaipur einige Reize. Die Fassaden der Gebäude der Hauptstraßen der Altstadt sind alle rosa angestrichen, eine Maßnahme, die Ende des 19 Jahrunderderts anlässlich des Besuchs des Prince of Wales durchgeführt und seither beibehalten wurde. Neben dem Palast, sind hier vor allem die historische Sternwarte Jantar Mantar und der „Palast der Winde“ Hawa Mahal sehenswert, der für die Damen des Hofs gebaut wurde und ihnen erlaubte, das Geschehen auf der belebten Straße zu beobachten ohne selbst gesehen zu werden. Die Moguln haben in Indien den Brauch eingeführt, dass edle Damen sich niemals in der Öffentlichkeit zeigten, auch herrschte strikte Geschlechtertrennung am Hof. Das wurde auch an den Höfen der hinduistischen Rajputen bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts eingehalten. Dennoch sollte den Damen nicht entgehen, was draußen passierte, sodass sie von ihrem Palast aus hinter dem Schutz von Gitterfenstern das Geschehen auf der Straße beobachten konnten.
Amber, Fort und Stadt
Viel malerischer als Jaipur ist das benachbarte Amber. Die Kleinstadt war die Hauptstadt des hiesigen Rajputenreichs, bis es dort zu eng wurde und Jaipur von Maharaja Jai Sing II. als neue Hauptstadt am Reißbrett geplant wurde. Das Amber Fort ist ein wunderschöner Palast in traumhafter Kulisse. Vom oberhalb gelegenen Fort (ebenfalls mit Palast), das gebaut wurde, um das Amber Fort zu schützen, hat man eine tolle Aussicht auf die Umgebung. Von hier versteht man auch, wie gut der Standort für Amber gewählt wurde. Es ist fast rundum von Bergen geschützt. Dennoch wurden auch mächtige Schutzmauern um die Stadt gebaut, die bis heute erhalten sind.

Samstag, 18. Juni 2011

Goldene Stadt in der Wüste – Jaisalmer

Als wir morgens um 5 mit dem Nachtzug in Jaisalmer ankommen, zeigt sich die Stadt nicht gerade von ihrer besten Seite. Wir sowie die paar anderen ankommenden westlichen Touristen werden von den schlimmsten Rickshawfahrern und Schleppern belagert, die ich bisher in Indien erlebt habe. Es wird auf einen eingeredet und wir werden noch lange verfolgt, als wir uns längst entschieden haben, aufgrund ebendieser Belagerung zum Hotel unserer Wahl zu gehen. Zwar lebt Jaisalmer hauptsächlich vom Tourismus und es ist tiefste Nebensaison, sodass der Wettbewerb tobt, doch dieses Verhalten schreckt die Touristen eher ab.
Jaisalmer, Altstadt und Fort
Als wir jedoch ein paar Stunden später ein wenig ausgeruht aus unserem Hotel treten, sind wir wieder versöhnt. Jaisalmer, ehemals eine wichtige Etappe auf den Handelsrouten nach Westen, ist heute eine Kleinstadt mitten in der Thar-Wüste tief im Westen Rajastans. Von hier ist es nicht mehr weit nach Pakistan. Die Stadt ist fast komplett aus gelbem Sandstein gebaut, sodass sie gerne die Goldene Stadt genannt wird. Jaisalmer wird überragt von einem Majestätischen Fort, das nicht nur den Palast beherbergt, sondern auch noch immer „normalen“ Menschen, deren Häuser sich im inneren seiner Wände befinden, eine Heimat gibt. Damit ist Jaisalmer wohl das einzige „lebende“ Fort der Welt. Abgesehen von den anstrengenden Shopbesitzern und anderen vom Tourismus abhängigen Menschen ist Jaisalmer eine sehr schöne und ruhge Stadt, wo es uns gut gefällt. Wir schlendern viel durch die Gassen und genießen es, hier zu sein.
Bei einem Besuch in Jaisalmer ist eine Kamelsafari fast Pflicht. Auch wir haben das fest eingeplant und entscheiden uns aufgrund der knappen Zeit für eine 2 Tage dauernden Kamelritt mit einer Übernachtung in der Wüste unter freiem Himmel. Die Wahl der Agentur Thar Safari erweist sich als gut (auch wenn unsere Hotelbesitzer etwas beleidigt sind, dass wir nicht bei ihnen gebucht haben), alles ist bestens organisiert. Wir sind nur zu zweit und haben als Kameltreiber zwei Jungs dabei, die uns, wie bei solchen Unternehmungen in Indien üblich, bestens umsorgen. Wir werden bekocht und müssen selbst keinen Finger krümmen. Kamelreiten ist eine angenehme Art der Fortbewegung, man schreitet relativ langsam durch die durchaus abwechslungsreiche Wüstenlandschaft. Das hat etwas meditatives.
Begegnung zweier "Karavanen"
Höhepunkt der Safari ist aber wie erwartet die Übernachtung in der Wüste. Wir kommen uns fernab vor von der Zivilisation (die aber gar nicht so weit ist), um uns grasen die Kamele, über uns spendet der Vollmond Licht. Wir haben großes Glück, denn ausgerechnet in dieser Nacht findet eine Mondfinsternis statt, sodass wir auch noch einen wunderbaren Sternenhimmel zu sehen bekommen. Am nächsten Morgen wird weiter geritten, wir entscheiden jedoch, nach dem Mittagessen nicht mehr per Kamel weiterzuziehen. In der Tat schmerzt die Innenseite unserer Oberschenkel inzwischen so sehr, dass wir uns fragen, wie man sich wohl nach einer längeren Safari fühlen muss. Dennoch ein unvergessliches und sehr empfehlendes Erlebnis, dass den Wüstenbewohnern direkt zugute kommt. Vielen jungen Männern bleibt aus Mangel an Alternativen keine andere Wahl, als Kameltreiber für Touristensafaris zu werden, wenn sie ihre Heimat nicht verlassen wollen. Unsere beiden Jungs sind beide unter 18 und der jüngere ist mit 15 der einzige Familienernährer. Angesichts der Routine, mit der wir von ihm bestens umsorgt werden, hat er sicher schon einige Kameltouren hinter sich.

Donnerstag, 16. Juni 2011

Die blaue Stadt – Jodhpur

Nach der Auszeit in Pushkar machen wir weiter mit der Tour der königlichen Stätten Rajastans. Es geht gen Westen, nach Jodhpur, der blauen Stadt. Den Beinamen trägt die Hauptstadt Marwars („Land des Todes“) zurecht: ein Großteil der Häuser der Altstadt ist in einem satten indigoblau angestrichen, wie wir beim Rundumblick von der Dachterasse unserer schönen Unterkunft in einer Haveli feststellen können. Ursprünglich waren blaue Häuser ein Vorrecht der Brahmanen, doch inzwischen darf jeder sein Haus so anstreichen wie er möchte. Indigo soll allerdings eine abschreckende Wirkung auf Moskitos haben.
Jodhpur ist vor allem bekannt für das imposante Mehrangar Fort, welches über der Stadt thront. Wie bei den Rajputen-Maharadschas übrig gibt es drinnen prunkvolle Paläste. Im Palastmuseum lernen wir auch, dass der Herrscherclan Marwars von niemand geringerem als Lord Krishna abstammt. Dies wird auch per Stammbaum dokumentiert. Göttliche Abstammung ist bei den Rajputen ebenfalls nicht unüblich: die Herrscherclans legitimierten ihre Macht zusätzlich, indem sie vorgaben, von der Sonne, dem Mond ober auch dem Feuer abzustammen.
Noch mehr als das Fort hat uns in Jodhpur jedoch das Gassengewirr der Alstadt begeistert. Man kann hier endlos herumirren, ein großer Teil der Straßen bildet gleichzeitig einen riesigen Bazaar, wo sowohl die lokale Bevölkerung, als auch die Touristen (diese besonders um den Clock Tower herum) alles finden können, was das Herz begehrt. Trotz der Hitze gehen wir also stundenlang durch die Gassen, die auch viele tolle Fotomotive bieten.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Ein kleiner Pilgerort zum Relaxen – Pushkar

Auf dem Weg von Udaipur nach Pushkar legen wir zunächst einen Zwischenstopp in Ajmer ein, ein sehr muslimisch geprägter Ort im Zentrum von Rajastan. Hier befindet sich ein sehr bedeutender Sufi-Schrein, der Pilger aus aller Welt hierher lockt, im übrigen durchaus aus Hindus. Wir haben unseren Tag für den Besuch der Stadt nicht optimal ausgewählt, denn an diesem Freitag findet die jährliche Urs statt, also die große Pilgerfahrt nach Ajmer. Insgesamt drängen sich 800.000 Pilger durch die Straßen und wir sind mitten in der Menschenmenge. Angesichts des Andrangs sparen wir uns denn auch den Besuch des Schreins, es ist allerdings durchaus ein Erlebnis, sich in der Menge durch die engen Gassen der Altstadt zu drängen. Der Besuch war auch nicht umsonst, unter anderem besuchen wir in einem Jain-Tempel eine etwas skurrile vergoldete Miniaturinstallation, welche die Geburt und das Leben des ersten Tithankaras (der erste der 24 Jain Propheten) darstellt.
Pushkar, das ganz in der Nähe von Ajmer liegt, ist ein kleiner Pilgerort, der um einen See mit zahlreichen Ghats angelegt ist. Hier befindet sich einer der wenigen (doch recht unspektakulären) Brahma-Tempel Indiens. Pushkar ist bekannt für seine riesige, jährlich stattfindende Kamelmesse, die zehntausende Menschen und Kamele in die Stadt bringt. Ansonsten hat sich das Städtchen als beliebte Etappe auf den Backpackertouren etabliert, denn hier kann man ein paar Tage von der Hektik Indiens entspannen. Außerhalb der Pilger- und Tourismussaison ist es hier außerordentlich ruhig, die Hotels sind teilweise zu Renovationszwecken geschlossen, die anderen bieten Schnäppchenpreise für ihre Zimmer. Wir halten uns in Pushkar hier nur recht kurz auf, denn unser Programm für die nächsten Wochen ist relativ dicht gedrängt. Es bleibt aber genug Zeit, um durch die Straßen zu schlendern, das Angebot der zahlreichen Shops zu begutachten, uns mal eine Pizza zu gönnen und einen Tempelberg oberhalb der Stadt zu erklimmen, von dem aus man eine phänomenale Aussicht hat.
Die Menschen sind hier wie überall sehr nett und hilfsbereit, doch wir machen bei unserer Abreise per Bus auch die typische Indien-Erfahrung, dass man nicht immer alles glauben sollte, was einem erzählt wird. Jeder sagt uns etwas anderes bezüglich der Abfahrtszeiten der Busse und es dauert eine Weile, bis wir endlich den richtigen Bus nach Jodhpur besteigen können. Wie sich herausstellte hätten uns einige lieber in den teuren Deluxe-Bus gelotst, doch wir bleiben den Klapperbussen ohne Beinfreiheit treu.

Montag, 13. Juni 2011

Eine Traumstadt für den Maharana – Udaipur

Da wir von Süden kommen ist Udaipur unser Einfallstor nach Rajastan, dem „Land der Könige“. Der Bundesstaat im Nordwesten Indiens ist die wohl touristischste Gegend des Landes, das merkt man auch gleich in Udaipur. Die Altstadt wurde größtenteils dem Tourismus überlassen, hier gibt es Unmengen an Hotels, (Rooftop-) Restaurants und auf Touristen ausgerichtete Läden. Dennoch hat die Altstadt nicht den musealen Charakter vieler herausgeputzter alten Stadtzentren in Europa. In den engen Gassen tobt wie gewohnt das Leben, im Erdgeschoss fast jedes Hauses gibt es einen kleinen Handwerksbetrieb oder einen Laden. Insgesamt ist Udaipur eine sehr angenehme Stadt, denn es gibt im Zentrum recht wenig Verkehr und man wird auch relativ wenig von Menschen belästigt, die einem etwas verkaufen wollen. Wir sind allerdings froh, außerhalb der Tourismussaison hier zu sein, dann muss die Hölle los sein.
Udaipur gilt als eine der romantischsten Städte Indiens, durchaus zurecht. Die Maharanas von Mewar (angeblich die am längsten ununterbrochen herrschende Dynastie der Welt) haben sich hier im Laufe der Jahrhunderte eine Traumstadt geschaffen. Künstiche Seen aus denen Paläste herausragen (wie der Lake Palace, wo Szenen für den James Bond Film Octopussy gedreht wurde), ein riesiger und sehr Prunkvoller Stadtpalast, ein Monsunpalast, wunderschöne Parks sowie beeindruckende Cenotaphe zu Ehren der verstorbenen Mitglieder der Königsfamilie. Wir besuchen selbstverständlich die meisten Sehenswürdigkeiten der Stadt, schießen ob der sehr fototauglichen Motive zahlreiche Bilder und entspannen nach getaner Tourismuspflicht auf der Dachterasse unseres Hotels, von wo aus man eine traumhafte Aussicht genießen kann. Schließlich besuchen wir auch eine Aufführung traditioneller Tänze aus Rajastan, von denen wir sehr angetan sind. Unter den Tänzerinnen ist unter anderem eine Dame, die einen Turm aus 9 Krügen auf dem Kopf balanciert, der deutlich höher ist als sie.