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Dienstag, 27. Mai 2008

Die Wohnung ist jetzt leer

Nun ist es soweit. Gestern morgen um sieben standen die Möbelpacker vor meiner Tür und haben meine Sachen abgeholt, um sie nach Hamburg zu transportieren. Der Firma sei Dank musst ich diesmal nicht selber schleppen, sondern konnte es mir erlauben, ein Unternehmen zu beauftragen. Beeindrucken, wie die Möbelpacker einfach je eine Kiste über die Schulter stemmen und los marschieren. Nach eineinhalb Stunden war alles weg.


Mir blieb also Zeit, meinen Sonderurlaubstag zu nutzen, um nach einem kurzen Abstecher in der indischen Botschaft für die Beantragung meines Visums gleich noch meine Wohnung zu streichen. Dank der liebenswerten Unterstützung meines kleinen Bruders ging das dann gestern noch alles über die Bühne, sodass ich dieses Kapitel nun abschließen kann. Ich hatte meine Bleibe und meinen Neuköllner Kiez doch lieb gewonnen und lasse dies mit Bedauern hinter mir. Die letzten Tage in Berlin verbringe ich nun in der Kreuzköllner Wohnung meines Bruders, bevor es dann am Samstag ab in die Hansestadt geht, wo alles wieder ausgepackt werden muss. Da habe ich nicht wirklich Lust drauf, umso mehr freue ich mich auf meine neue WG. Ich glaube, da werde ich mich wohl fühlen...

Hier gibt's noch ein paar mehr Bilder.

Sonntag, 16. Dezember 2007

Das letzte Konzert '07

Nachdem unser geplanter konzertischer Jahresabschluss im White Trash Fast Food ein Reinfall war, musste dringend Ersatz gefunden werden. Das exzellente Konzertjahr 2007 musste ja einen versöhnlichen Abschluss finden. Glücklicherweise konnten wir noch ein schönes Schmankerl auftreiben: Am Dienstag fand im Kesselhaus der Kulturbrauerei das Polarzoo Festival statt. Hier traten je eine Band aus jedem der fünf skandinavischen Länder auf, dazwischen liefen Videoclips und Kurzfilme. Eine sehr viel versprechende Veranstaltung also.

Die erste Gruppierung, Desert Planet aus dem finnischen Lappland, habe ich leider verpasst, da ich vor dem Konzert noch auf dem Weihnachtsempfang meiner alten Kollegen von der kanadischen Botschaft war. Aber ich glaube, dass mir der Game-Boy-Elektro-Sound der Band auch nicht so gefallen hätte. Dafür kamen wir gerade rechtzeitig für eine musikalische Neuentdeckung, Ida Maria aus Norwegen. Die nach ihrer Sängerin benannten Band spielte auf der Bühne einen Indie-Rocker nach dem anderen und begeisterte mit ihrer von Punk Attitüden beeinflussten Bühnenperformance das recht spärliche und eigentlich eher lahme Publikum. Auf der (norwegischsprachigen) Website der Band gibt es ein paar Songs zum kostenlosen Download. Es folgt aber sicher in den nächsten Monaten ein Album.

Die schwedische Band Last Days of April ist auch noch eine (vom alter her) recht junge Band, die aber schon lange Bestand hat und sich durch zahlreiche Auftritte in Deutschland, u.a. bei den großen Festivals und im Vorprogramm der Sportfreunde Stiller, einen Namen gemacht hat. Die Band um Sänger Karl Larsson spielt nette und sehr schöne Indie-Rock und Pop Lieder, die ich ganz gerne höre. Auf der Bühne fehlt allerdings die letzte Konsequenz. Das das Publikum wie gesagt ziemlich lahm war, sprang folglich in der Kulturbrauerei der Funke nicht wirklich herüber. So hatte man zwar das vergnügen, guter Musik zu lauschen, wirklich spannend war das ganze aber nicht.

Höhepunkt des Abends und für viele der wahre Grund für den Konzertbesuch waren zweifelsohne die Dänen von Kashmir. Ihr etwas düsterer, tragender, eher ruhiger Rock kann einen nicht kalt lassen. Die Musik hat was von Interpol, aber irgendwie erinnern manche Riffs auch an die Dire Straits. Jedenfalls kann man richtig schön in ihr eintauchen. Endlich wachte nun auch das Publikum auf! Auch wenn der Auftritt aufgrund des sehr engen Zeitplans ziemlich schnell vorbei war, machten Kashmir den Abend mehr als lohnenswert. Alle konzerttauglichen (also die flotteren) Songs wurden gespielt, sodass man zufrieden nach Hause gehen konnte. Ja, zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich die letzte Band, Wulfgang aus Island, nicht abgewartet habe und mich auf den Heimweg machte. Es war allerdings schon fast 12 und ich wusste, dass mein Wecker am nächsten Morgen um 5 Uhr klingeln würde. Man hat es schon schwer als Arbeitnehmer...

Zum Abschluss noch ein kleines Quiz aus dem Alltag im Neuköllner Multi-Kulti-Kiez. Was bezeichnet Eurer Meinung nach ein „Antrikot“ bei meinem türkischen Metzger? Ich freue mich jedenfalls schon darauf, es mir heute Abend in di Pfanne zu hauen.

Sonntag, 9. Dezember 2007

Frustration und Weihnachtsstimmung

Für den Freitag Abend hatte Thomas uns ein tolles kleines Konzert ausgeguckt, die Motor FM Weihnachtssessions im White Trash Fast Food, u.a. mit The Fashion und Soko. Letztere hatte mit dem Song „I Kill Her“ einen kleinen Überraschungshit, der in manchen Radiosendern hier rauf und runter lief, und das obwohl die Dame nicht mal einen Plattenvertrag hat. Die deutschen liebten halt schon immer Frauen mit französischem Akzent, die ist aber auch süß, die kleine, wie man sich hier überzeugen kann. Nur hatten wir leider den Ansturm auf die Veranstaltung unter- und die Größe des Clubs überschätzt. So kam es, dass wir trotz pünktlichem Erscheinen zum Einlass um 19 (!) Uhr und 45 Minuten anstehen, während derer die Schlange kaum voranging, nicht rein kamen. Das war sehr ärgerlich und frustrierend. So mussten wir uns halt mit Biertrinken gehen begnügen, in einer Ecke Berlins, in der man sich nicht soo gut auskennt irgendwie auch blöd.

Derweil warte ich darauf, endlich das O.K. meiner Hamburger Chefin zu bekommen, um mir am 24.12 frei nehmen zu können (mehr gibt’s eh nicht) und versuche mich langsam in Weihnachtsstimmung zu versetzen. Diese kommt dieses Jahr nämlich nicht wirklich auf. Deshalb habe ich ein wenig für Weihnachtsdekoration in meiner Wohnung gesorgt und mit einfachen Mitteln ein weihnachtliches Fenster dekoriert. Deutlich besser funktionierte jedoch in diesem Unterfangen mein gestriger Besuch auf dem Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt auf meinem Neuköllner Lieblingsplatz, dem Richardplatz. Die Einzigartigkeit an diesem Weihnachtsmarkt besteht darin, dass er sich vom Kommerz sämtlicher anderer Berliner Märkte (es gibt laut meiner Zählung auf weihnachtsmarkt-deutschland.de deren 36) abhebt. Erstens dauert er nur ein Wochenende und zweitens ist er fast frei von gewerblichen Ständen, sondern wird von lokalen Vereinen und Wohltätigkeitsorganisationen betrieben. Das gibt dem ganzen eine nette und familiäre Stimmung, die mir sehr gut gefallen hat. Ich habe deshalb den Versuch unternommen, das ganze fotographisch festzuhalten, aufgrund der Dunkelheit sind die Bilder aber nicht berauschend.

Dienstag, 20. November 2007

Schwimmen im Museum

Jetzt, wo ich meine Tage als Bürohengst sitzend vor zwei Computerbildschirmen verbringe und es viel zu kalt ist, auch nur daran zu denken, den Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad zurückzulegen, wächst in mir wieder das Bedürfnis nach körperlicher Ertüchtigung. Dies habe ich heute umgesetzt, indem ich dem Stadtbad Neukölln, nur ein Katzensprung von meiner Wohnung entfernt, einen Besuch abgestattet habe. Das lohnt ich nicht nur in sportlicher Hinsicht, sondern erlaubt gleichzeitig einen archi- tektonischen Hochgenuss.

Das Stadtbad Neukölln wurde in den 1920er Jahren erbaut und in den 1990ern denkmalschutzgerecht restauriert. Es hat zwei Schwimmhallen, ursprünglich je eine für Männer (die große), eine für Frauen (die kleine) und verschiedene Saunaeinrichtungen (die ich aber nicht gesehen habe, da sie extra kosten, aber sie auf Bilder viel versprechend aussehen). Zum Schwimmen ist die Funktionalität der Becken nicht optimal, da sie an einem Ende jeweils ziemlich flach sind. Allerdings ist es ein Erlebnis, in einem solchen Jugendstilbau seine Bahnen zu ziehen, umgeben von korinthischen Säulen, Mosaiken und Wasser speienden Walrossen. Wie Schwimmen in einem Museum.

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Berlin im Herbst

Man hatte mich gewarnt: Berlin sei im Winter sehr deprimierend. Noch ist es ja nicht soweit, doch auch der Herbst bringt Wetterlagen, die nicht unbedingt zur Stimmungsaufhellung beitragen. Nun bin ich gerade ohnehin gut gelaunt, sodass mir das nicht viel anhaben kann, aber man muss dennoch die schöneren Tage nutzen, wie sie kommen, zumal ich ja bald weniger Zeit für solche Müßiggängerspäßchen haben werde. So habe ich in den letzten Tagen Spaziergänge genossen, die mich für die grau-feucht-kälteren Tage entschädigt haben. Neulich stieg ich in die U-Bahn, um eine kleine Tour entlang der Spree von Friedrichstraße in Richtung Moabit zu unternehmen. In Herbstfarben getaucht ist diese Ecke, insbesondere, wenn man das Kanzleramt hinter sich gelassen hat, sehr sehenswert, zumal ich sie bisher etwas vernachlässigt hatte (Bilder). Das Kanzleramt ist meiner Meinung nach übrigens ein Meisterwerk der modernen Architektur, es sieht einfach richtig gut aus! Heute war ich in bekannteren Gefilden unterwegs, ich ging von zu Hause los und Spazierte am Neuköllner Schifffahrtskanal und am Landwehrkanal entlang, bis ich an der Prinzenbrücke ankam und genug gegangen war. Auch diese Tour ist im herbst sehr lohnenswert (Bilder).

Ironie des Schicksals: Kaum habe ich einen Job, da ruft mich das Arbeitsamt an und bietet mir eine Stelle an – als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Heidelberg. Gut bezahlt, aber nicht wirklich, was ich machen will...

Dienstag, 16. Oktober 2007

Touristische Geheimtipps vor meiner Haustür

Man kann es nicht of genug betonen: Der „Problembezirk“ Neukölln ist viel besser als sein Ruf. Nicht nur kann man sich hier ohne Sorge zu jeder Tages- und Nachtzeit vor die Haustüre trauen, es gibt sogar sehr schöne Ecken. Einige wahrhaftige Geheimtipps befinden sich in kurzer Gehdistanz zu meiner Wohnung. Beginnen wir mit dem Körnerpark. Dieser kleine Park entstand zu Beginn des vergangenen Jahrhundert. Dort befand sich eine Kiesgrube, deren Besitzer Franz Körner der Stadt das Areal unter der Auflage schenkte, dass der dort entstehende Park seinen Namen tragen sollte. Daraufhin entstand dort ein prächtiges neobarockes landschaftliches Ensemble, das sich heute zwischen Wohnhäusern versteckt und eine willkommene Ruhestädte ist, wenn man wie dieser Tage mit einem guten Buch die letzte Herbstsonne genießen möchte. (Bilder)

Wenn man dort aus, um wieder zu mir zu gelangen, einen kleinen Schlenker über die Karl-Marx-Straße macht, gelangt man zu einem weiteren kleinen Juwel, dem Richardplatz und der daran anschließenden böhmischen Siedlung Rixdorf. Der Richardplatz ist der historische Kern des alten Dorfes Rixdorf, das 1912 in Neukölln umbenannt und wenig später Berlin eingemeindet wurde. Hier, nur wenige Meter entfernt von der geschäftigen Hauptgeschäftsstraße des Bezirks, der Karl-Marx-Straße, kommt ein ebenso ruhiges wie malerisches dörflich-altstädtisches Flair auf. Richtig ländlich kommt allerdings erst die Böhmische Siedlung daher. Sie hat ihren Ursprung in der Ansiedlung von protestantischen Flüchtlingen aus Böhmen, die von Friedrich Wilhelm I. (dessen Standbild deshalb auch in der Nähe steht) dort angesiedelt wurden. Auch wenn recht wenige Zeugnisse der böhmischen Besiedlung hier übrig geblieben sind, hat sich dennoch ein sehr ländliches Flair gehalten, und das mitten in der Großstadt. Das alles ist wunderbar für einen kleinen Spaziergang zum abschalten.


Zum Schluss noch ein kleiner Hinweis zu einem ganz anderen Thema. Wer sich dafür interessiert und es noch nicht mitbekommen hat: Das neue Album In Rainbows der Band Radiohead steht auf der Homepage der Band zum Download bereit. Das Werk wurde an der Plattenfirma vorbei ganz überraschend veröffentlicht, wer es herunterladen möchte entscheidet selbst ob und wie viel er dafür zahlen möchte. Man sollte sich keine Sorgen über das finanzielle Wohl der Band machen, bei 1 Million Abrufen wurde im Schnitt 6 Pfund Sterling für das Album gezahlt, also ein lohnenswertes Geschäft. Mal wieder ein Beweis dafür, das Plattenfirmen zunehmend in Bedrängnis ob ihrer Notwendigkeit geraten... In Rainbows ist übrigens ein exzellentes Album. Das schreibe ich als jemand, der keineswegs zu den größten Fans von Radiohead gehört.

Dienstag, 14. August 2007

Schön, wieder zu Hause zu sein!

Ich bin seit dem Wochenende wieder zurück in Berlin und merke jetzt erst, wie sehr ich es vermisst hatte und wie schön es ist, wieder hier zu sein. So sehr ich es bei meinen Eltern im Südschwarzwald genossen habe – ich merke es immer erst, wenn ich dort bin, wie ich die Natur hier manchmal vermisse – bin ich doch froh, wieder zu Hause zu sein. Zumal ich von der heimischen Natur nicht so viel hatte, da dort unten quasi Land unter war. Wo meine Eltern wohnen gab es zwar keine Überschwemmungen, aber gut geregnet hat es schon. Wenn ich dann beim Wetterbericht gesehen habe, dass es in Berlin warm war, habe ich mich richtig geärgert. Außerdem kriege ich bei meinen Eltern außer rumgammeln nichts auf die Reihe. Das ist zwar für ein paar Tage nett, aber auf Dauer sehr unbefriedigend. Schön ist es auch, sich mit alten Freunden zu treffen.


Allerdings habe ich mich wieder richtig wohl gefühlt, als ich meine Berliner Wohnungstür wieder durchschritten habe. Hier bin ich jetzt daheim und hier fühle ich mich am wohlsten. Ich habe meine Ruhe, kann machen was ich will, es gibt unzählige Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben. Zudem bin ich wieder voller Motivation und habe tatsächlich wieder einen ganzen Schwung Bewerbungen rausgeschickt. Vielleicht diesmal mit mehr Erfolg als bisher... Da zudem das gute Wetter wieder von der Partie ist und ich schließlich noch netten Besuch habe, ist alles bestens. Fehlt nur noch ein Job, sonst meldet sich bald der Arbeitslosenblues wieder.


Sonntag, 22. April 2007

Ein Frühlingswochenende in Berlin

Ich bin schon vom Glück gesegnet. Seit ich in Berlin angekommen bin, habe ich wettermäßig bis auf ein paar Regentage zwischendurch nichts von der sprichwörtlichen Berliner Tristesse mitbekommen. Im Gegenteil, es ist ständig traumhaftes Sonnenscheinwetter. Auch wenn es nicht mehr so warm ist, wie beim Sommereinbruch letzte Woche, kann man auch dieses Wochenende wieder bei strahlender Sonne den Frühling ausbrechen sehen und Berlin beim grüner werden zuschauen. So ist auch inzwischen mein Innenhof dank der dort stehenden Bäume grüner und freundlicher geworden. Ich habe gestern auf einer kleinen Fahrradtour am Neuköllner Ufer des Landwehrkanals, bzw. seiner Verlängerung, dem Neuköllner Schifffahrtskanal, mit einem kleinen Abstecher nach Kreuzberg ein paar Fotos geschossen.

Um den Frühling in vollen Zügen genießen zu können, habe ich mir gestern zudem ein neues Fahrrad gekauft – das inzwischen fünfte Erwachsenenrad meines Lebens: das erste fiel einem Unfall zum Opfer, das zweite wurde mir in Heidelberg vor der Haustür weggestohlen, das dritte, ein gebrauchtes, ging kaputt. Selbiges lässt sich auch über mein viertes sagen, mehr dazu gleich. Das neue Rad konnte ich mir dank der dafür gedachten finanziellen Zuwendungen von meinen Eltern zum Geburtstag leisten. So habe ich mir ein nagelneues, alltagstaugliches Trekkingrad gekauft. Es war bitter nötig, da mein bisheriges Fahrrad drohte auseinander zu Fallen. Bereits in Heidelberg war vor einiger Zeit schon das Schutzblech abgefallen, die Gangschaltung funktionierte überhaupt nicht mehr, sodass die Kette stets sprang. Kürzlich war auch noch ein Bremskabel gerissen, die andere Bremse war auch schon bedenklich schwach auf der Brust. Die Reparatur hätte also den Wert des Fahrrads sicherlich bei weitem überstiegen... und das Fahren war eine Gefahr für den Fahrer und die anderen Verkehrsteilnehmer geworden. Ich hebe es trotzdem mal auf – als Besucherfahrrad. Überlegt Euch also gut, ob ihr hier mit mir radeln wollt Das neue Rad ist jedenfalls ein Genuss: Man kann wieder schnell fahren, ohne angst zu haben, an der nächsten Ampel nicht anhalten zu können. Und es ist deutlich weniger anstrengend.

Zu einem guten Wochenende gehört natürlich auch ein Konzertbesuch. Ich finde es ja stets schwierig, Bands musikalisch einzuordnen und zu beschreiben, deshalb erspare ich Euch das im Fall von The Blood Arm aus L.A., California. Die drei Herren und eine Dame waren gestern im Lido in Kreuzberg zu Gast und ich bin noch immer total hin und weg. Ihr Album Lie Lover Lie ist ja schon der Hammer, das solltet Ihr Euch auf jeden Fall anhören. Live ist The Blood Arm jedoch auch ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Alle Elemente für eine geile Show sind dabei versammelt. Zunächst natürlich die vorzügliche Musik. Dann das Charisma der Band insgesamt (mit sehr hübscher Keyboarderin) und des Sängers insbesondere. Dieser erinnert stimmlich sehr an Alex Kapranos von Franz Ferdinand, hat einen Hüftschwung, vor dem andere erblassen würden, hat unglaubliche Entertainerqualitäten und ist (bzw. spielt diese Rolle) total sexbesessen. Eine solche Interaktion mit dem Publikum habe ich selten gesehen. Zwischen den Stücken werden männliche wie weibliche Publikumsmitglieder schamlos, aber humorvoll, angebaggert, BandmitgliederInnen für Ihre Geilheit gelobt, usw. Zudem geht der Sänger ins Publikum und vermag es, dass sich für den Song „Angela“ alle auf Kommando hinsetzen. Weitere Elemente der Klasse Performance sind ein extra Bandeigener Ansager, der das Publikum in Rage bringt sowie die Tatsache, dass am Schluss Publikum am Schluss auf die Bühne geholt wird. Von letzterem bin ich zwar kein großer Fan, das sorgt aber immer für Stimmung. Kurzum, bisher für mich das beste Konzert des Jahres, und das will was heißen. Meine bisherigen Konzerte waren ja auch nicht von schlechten Eltern.


Ich muss schließlich noch ein paar Worte über den heute stattfindenden ersten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahl verlieren. Ich selbst kann zwar nicht wählen, da ich dafür extra nach Stuttgart oder Freiburg fahren müsste (Briefwahl gibt es bei den Franzosen leider nicht), ich bin aber trotzdem gespannt wie ein Flitzebogen. Schafft es Ségolène in den zweiten Wahlgang? Ich bin ganz zuversichtlich, auch wenn die Umfragen ein Kopf-an-Kopf Rennen zwischen ihr, Sarkozy, Bazrou, und auch Le Pen, den man leider noch nicht abschreiben kann, prophezeihen. Ich bin jedoch der Meinung, das Royal und Sarko genügend Vorsprung haben, Le Pen zudem vor Bayrou landen wird, da er bisher stets mehr Stimmen erziehlt hat, als ihm prophezeit wurden. Die anderen acht Kandidaten kann man übrigens vergessen, auch wenn ein paar Interessante dabei sind... Vor allem die Linken und Trotzkisten sind für uns deutsche doch eine sehr französische Eigenheit, bei uns unvorstellbar. Gegen den PC ist die PDS sehr realistisch!

Samstag, 7. April 2007

Die Rütli Schule

Weil mich schon so viele von Euch gefragt haben, nachdem ich berichtet hatte, dass ich nach Neukölln ziehe bzw. jetzt dort wohne: Ja, ich wohne tatsächlich in der Nähe der Rütlischule. Sie liegt in ca. 5 Minuten Fahrradentfernung Richtung Nordost, ich komme quasi daran vorbei, wenn ich mit dem Fahrrad zum Görlitzer Park oder nach Kreuzberg zu Schlesischen Tor fahre. Da der verzweifelte Brief der Lehrer dieser Schule sich in den letzten Tage zum ersten Mal gejährt hat, war zuletzt viel über die Schule in den Medien zu lesen.

Wie es aussieht, hat der Hilferuf seine Früchte getragen. Stets erwähnt wird ein Projekt, das ich ziemlich cool finde. Schüler der Schule designen das so genannte Rütliwear, das sehr professionell im Internet vermarktet wird. Die Kleidung sieht gar nicht schlecht aus, und vor allem die Solidaritäts-T-Shirts, die ausschließlich der Finanzierung des Projekts dienen und schlicht die Aufschrift RÜTLI tragen, sind für 14 Euro das Stück doch recht günstig. Da Ihr alle Fans der Schule zu sein scheint, könnt Ihr Euch ja eins zulegen.

Wenn ich schon dabei bin, kann ich noch kurz ein Wort über das Publikum des Bezirks Neukölln verlieren. Zunächst kann man sagen, dass in Berlin allgemein auffällig ist, dass es sich dabei um eine Stadt handelt, in der die sozioökonomisch nicht so gut gestellten Schichten einen großen Bevölkerungsanteil einnehmen. Man braucht nur einmal U-Bahn zu fahren, um das zu merken. Dabei kann man übrigens oft sehr lustigen Unterhaltungen lauschen. Beispielsweise habe ich so schon sehr gute Tipps für das effiziente Solariumbräunen erhalten...

Zum Neuköllner Publikum kann man zusammenfassend sagen: Jung, proletig, mehrheitlich ausländisch aussehend. Ich meine das durchaus nicht negativ. Es ist nur auffällig, wenn man bisher in eher wohlhabenden, klein- oder bildungsbürgerlich geprägten Gegenden gelebt hat. Man lernt eine ganz neue Seite der deutschen Gesellschaft kennen. Und um noch etwas hinzuzufügen: ich habe weder Aggressivität oder Kleinkriminalität in meiner Gegend bemerkt noch mich zu irgendeinem Zeitpunkt irgendwie unsicher gefühlt. Im Gegenteil, ich fühle mich im Herzen der Neuköllner City richtig wohl!

Sonntag, 25. März 2007

Türkisch für Anfänger

Erkennt Ihr diese Kameraeinstellung? Als Gucker der aktuellen ARD-Vorabendserie Türkisch für Anfänger sollte sie Euch ein Begriff sein. Es handelt sich um das Neuköllner Rathaus, direkt bei mir um die Ecke und Ihr könnt es täglich in der sehr empfehlenswerten Serie, die folglich in Neukölln spielt, sehen. Es werden auf sehr nette und humorvolle Weise deutsch-türkische Gegensätze und Gemeinsamkeiten thematisiert. Ich kann Euch nur raten, mal einen Blick rein zu werfen – täglich um 18.50 Uhr im Ersten.

Mittwoch, 14. März 2007

Langsam wird's ernst...

Ich hatte gestern einen kleinen Vorgeschmack auf mein am Montag beginnendes Praktikum, denn ich war zu einem informellen Empfang in der Botschaft von Kanada eingeladen. Auf diese Weise habe ich bereits meine zukünftigen Kollegen kennen gelernt. Der erste Eindruck ist sehr gut, ich glaube, es durfte nett werden. Zumindest der Umgang, der untereinander gepflegt wird, hat mir sehr gut gefallen, denn es herrscht über die Hierarchien hinweg eine gewisse Lockerheit. Kein Vergleich mit dem Konsulat in Bordeaux...
Inzwischen habe ich auch erste Schritte unternommen, um meinen Lebensunterhalt abzusichern, indem ich dem JobCenter Berlin Süd hier in Neukölln einen Besuch abgestattet habe. Ich muss sagen, dass hier eine andere Größenordnung herrscht als in Heidelberg, allein am Empfang gibt es bereits etwa ein dutzend Schalter (in der Heidelberger Arbeitsagentur sind es ganze zwei), gewartet wird in einer Zickzackschlange wie im Europapark. Ich bin jedenfalls nach viel kürzerer Wartezeit als gedacht wieder raus gekommen, mit zwei Terminen und einem ganzen Stapel an Formularen zum ausfüllen. Mal sehen, was daraus wird.
Schließlich habe ich das noch immer traumhafte Wetter genutzt, um mich etwas im Bezirk Neukölln umzuschauen. Hierzu gehört nicht nur meine sehr städtische Nachbarschaft, die so genannte Neuköllner City, sondern auch das etwas ruhigere Rixdorf, sowie die etwas weiter außerhalb liegenden Stadteile Britz, Rudow und Buckow. Vor allem Britz hat es mir angetan. Hier liegt die Hufeisensiedlung, ein Vorzeige-Siedlungsprojekt aus den 1920er Jahren, das um einen hufeisenförmige Häuserformation angelegt ist und sehr kleinstädtisch wirkt. Ein Kleinod ist das Schloss Britz mit Gutshof und Park. Man wird dort vollkommen der Großstadthektik entzogen und findet eine äußerst Idyllische Oase der Ruhe. Neukölln hat also mehr zu bieten als die Rütlischule und türkisch geprägtes Multikulti. Das ist aber eigentlich kein Wunder, ist es doch ein riesiger Stadtbezirk, der anderswo für sich schon eine eigene Großstadt wäre.
--> Fotos hier!

Montag, 12. März 2007

Mein Umzug nach Berlin

Es ist zwar schon eine Woche her, dennoch muss an dieser Stelle noch über meinen Umzug in meine neue Bleibe berichtet werden. Letzten Sonntag Morgen also, meine sieben Sachen waren verpackt, alle meine Möbel abgebaut und transportfertig gerichtet, brach ich erstmal auf, um meinen gemieteten Transporter zu holen. Dieser war dann doch größer, als ich es mir gedacht hatte, sodass alle Sorgen um mangelnden Platz unbegründet waren. Es konnte also losgehen, meine Umzugshelfer waren zur Stelle, meine Sachen waren schnell unterwegs vom dritten Stock auf die Straße, alles lief wie geschmiert. Doch plötzlich...
Ich ging gerade zur Haustür hinein, als es weiter oben klirren hörte. Nahezu im selben Augenblick rief Philippe laut „Scheiße“. Ich ahnte, dass er wohl eine meiner Kisten hatte fallen lassen. Es war jedoch etwas anderes, ein wenig schwerwiegenderes passiert. Philippe war auf der letzten Stufe vor dem Treppenansatz der Nachbarn unter mir – eine schwere Kiste tragend – gestolpert und war dabei mit vollem Schwung mit der Hand durch eine Scheibe der Eingangstür ebendieser Nachbarn geknallt. Daher das klirren.
Als ich oben ankam – unterwegs hatte mich die Nachbarin bereits zur Sau gemacht, wir sollten doch gefälligst besser aufpassen – folgte ich einer Spur von einigen wenigen Blutstropfen in unser WG-Bad, wo ein Team aus angehenden Medizinern (meine Mitbewohnerin Spela und ihr Freund Geri), einer Krankenschwester (meine Schwester Anne) sowie weiteren beteiligten bereits alles im Griff hatte. Philippe wurde fachmännisch verarztet, um die doch recht starke Blutung zu stoppen. Unterdessen organisierte Anne per Telefon dank ihrer Connections im Krankenhaus Salem bereits das weitere Vorgehen mit dem Verletzten. Resultat: Mein geplanter Mitfahrer nach Berlin fiel aus, denn er musste aufgrund einer doch recht konsequenten Schnittwunde am Handgelenk genäht werden (7 Stiche – für ein Foto der Wunde an Philippe wenden). Wie er mir jedoch versichert, ist alles nicht so schlimm, er hat wohl keine Schmerzen und war insgeheim eigentlich ganz froh, nicht mit nach Berlin zu müssen, weil er ohnehin keine Lust darauf gehabt hatte.
So kam es, dass mein Papa einspringen musste, nach ein paar organisatorischen Telefonaten und E-Mails klappte das auch und so verabschiedeten wir uns mit einer kleinen Verspätung auf den Zeitplan gegen 12 Uhr von den Heidelbergern. Wir hatten ja noch eine lange Strecke vor uns. Nach einem Zwischenstopp in Göttingen, wo wir Almuth als Helferin für Berlin mitnahmen, ging es erstmal nach Berlin-Steglitz, um meinen Schlüssel zu holen – an dieser Stelle vielen Dank an Michaela Gastiger für ihre Hilfe – und von dort aus geradewegs nach Neukölln.
Die Spannung stieg langsam: Ich hoffte, dass die Wohnung auch tatsächlich dem entsprach, woran ich mich erinnerte. Die anderen wollten wissen, was sie erwartete. Vor allem Papa, der insgeheim glaube ich ganz froh war, dass er dabei war, um seine Neugierde zu befriedigen, war gespannt. Wir wurden glücklicherweise nicht enttäuscht, die Wohnung ist groß, schön, sauber und hat eine voll ausgestattete Küche. Wir hatte nun also die nötige Motivation für die Endanstrengung des Tages, denn die Wohnung liegt im vierten Stock – ohne Aufzug!
Um 22 Uhr, nach 2 Stunden Schwerstarbeit und der sehr netten Hilfe meines Nachbarn (der sich dann wegen Rückenscherzen die ganze Woche Krankschreiben ließ – das ist kein Scherz) hatten wir alles oben. Zur Belohnung gab es für alle einen sehr leckeren Döner (für Papa eine Weltpremiere – auch das kein Scherz) und ein gutes Bier. Kaum war das jedoch getrunken, fielen wir alle k.o. ins Bett. Es war vollbracht.
Vielen Dank an alle, die geholfen haben. Ohne Euch hätte ich das nie geschafft!
Erste Fotos aus meiner Nachbarschaft gibt es hier. Weitere folgen in kürze, auch von der Wohnung. Die gibt es jedoch erst, wenn ich fertig eingerichtet bin...

Freitag, 9. März 2007

Berlin

Es gibt bereits so viel zu berichten, ich komme gar nicht hinterher. Hier nur so viel: Der Umzug ist fast nach Plan verlaufen (es gab einen kleinen Zwischenfall mit Verletzung – an dieser Stelle bereits vielen Dank an alle meine Helfer), meine Wohnung ist super und im Moment bin ich auch von meiner neuen Neuköllner Nachbarschaft hellauf begeistert. Und jetzt ist auch noch das Wetter glänzend. Ich bin allerdings noch mitten im Auspacken und habe zu Hause kein Internet, deswegen müsst Ihr Euch für einen ausführlicheren Bericht noch etwas gedulden. Das Foto zeigt meinen Blick aus dem Küchenfenster auf meinen Innenhof und, im Hintergrund, den Turm der Neuköllner Rathauses.