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Dienstag, 31. Mai 2011

Zu Besuch in der größten Stadt der Welt – Mumbai

Seit Jahren schon bin ich fasziniert von Bombay, der Riesenstadt, die ich unter anderem dank der Romane von Salman Rushdie bereits oft literarisch erkundet habe. Endlich darf ich die Stadt, die mit offiziell 17 Millionen Einwohnern (manche schätzen die tatsächliche Einwohnerzahl auf bis zu 25 Millionen) von sich behauptet die größte der Welt zu sein, nun auch selbst erkunden.
Gateway of India
In Mumbai endet auch die einzelgängerische Phase meiner Reise, da meine Freundin Andrea hier zu mir gestoßen ist, um mich 4 Wochen lang zu begleiten. Es ist ein freudiges Wiedersehen, nachdem wir uns drei Monate nicht gesehen hatten.
Ich verkünde damit zwar nichts neues, doch Bombay ist eine Stadt der extremen Gegensätze. Wenn man, wie die meisten Touristen, in Colaba an der Südspitze der Stadt untergebracht ist, so findet man eine Gegend vor, die für indische Verhältnisse extrem ruhig und geordnet ist, mit gepflegten Altbauhochhäusern und ruhigen grünen Nebenstraßen. Man kommt sich fast vor wie in einer Stadt der nordamerikanischen Ostküste. Wenige Meter entfernt findet man jedoch schon einen kleinen Slum. Dieses Bild bietet sich uns in vielen Teilen der Stadt, die wir erkunden. Offensichtlicher Reichtum und extreme Armut liegen direkt nebeneinander, sei es auf den besseren Einkaufsstraßen oder im exklusiven Wohnviertel Malabar Hill. Gleichzeitig ist es hier fast überall sehr voll und laut, für Andrea ein echter Kulturschock. Die extreme Schwüle macht das ganze nicht weniger anstrengend, ich kann mich nicht erinnern, auf meiner Reise so viel geschwitzt zu haben wie hier.
Victoria Terminus
Natürlich haben wir alle wichtigen Sehenswürdigkeiten abgeklappert und haben auch die Fähre bestiegen, um die Tempelgrotten auf Elefanta Island zu besuchen. Es war Sonntag, daher war der Andrang besonders groß. Wir durften mit sehr vielen Großfamilien posieren und den üblichen Smalltalk führen. Auf dem Rückweg bricht kurze Zeit Aufregung auf dem Schiff aus, da plötzlich aus dem nichts ein Skorpion auftaucht. Das arme Tier hatte dann aber nicht mehr lange zu leben und die Lage beruhigte sich wieder.
Elephanta Island
Kurz vor unserer Abreise hatten wir noch einen weiteren Zusammenstoß mit der Tierwelt Mumbais. Als sich Andrea morgens ihre Hose anzog spürte sie eine Ausbeulung in der Hosentasche. Es blickten sie aus der Hose tierische Augen an. Das Kleidungsstück war sehr schnell wieder ausgezogen und der Schreck ziemlich groß. Das Tier kam dann auch aus der Hosentasche gekrochen und entpuppte sich als kleine Fledermaus, die ich dann mit einigen Schwierigkeiten mit Hilfe meiner Flipflops aus dem Fenster unseres Zimmers bugsierte.

Samstag, 28. Mai 2011

Kein Traumstrand doch trotzdem eine Reise Wert – Murud

Als ich in Murud ankomme, bin ich zunächst etwas enttäuscht. Statt dem erhofften weißen Sandstrand erwartet mich ein schwarzer Sandstreifen. Der Sand ist zudem ein wenig schmierig, als habe es hier eine kleine Ölpest gegeben, jedenfalls vergeht mir die Lust, mich hier hinzulegen. Auch das vor dem Ort liegende Inselfort sieht nicht sehr beeindruckend aus, eine verfallene Ruine. Dabei habe ich eine lange Reise hinter mir, bin stundenlang mit Bus, Schiff und wieder Bus gefahren.
Unterwegs habe ich einen erster Eindruck von der Riesenhaftigkeit Mumbais erhalten, denn ich habe mit Bus und Taxi die ganze Stadt durchfahren. Ich denke, zwei Stunden hat es schon gedauert, von den äußeren Bezirken bis zum Gateway of India zu kommen, wo ich meine Fähre bestiegen habe.
Ich lasse mich vom ersten Eindruck allerdings nicht entmutigen und nehme erst einmal einen Bad im Meer. Landschaftlich ist die Konkanküste, der südlich von Mumbai liegende und als Geheimtipp geltende Küstenstreifen von Maharashtra, auf jeden Fall sehenswert. Es wechseln sich Sandstrände und felsige Steilküsten ab, man könnte stellenweise meinen, sich an der Côte d'Azur zu befinden. Gleichzeitig ist die Gegend relativ dünn besiedelt, auch touristisch ist nicht gerade deie Hölle los. Der Strand in Murud ist umrahmt von Kokospalmen und Felsen, an seinem Nordende befindet sich ein etwas unpassend wirkendes neogothisches Schloss, der Sitz der Nawabs von Janjira.
Statt mich an den Strand zu legen erkunde ich die Umgebung, entdecke den sehenswerten kleinen natürlichen Hafen Muruds und die Behausungen der Fischer. Auch entdecke ich, dass das eigentliche Fort eine Bucht weiter liegt und wie eine Beeindruckende Festung aus dem Meer ragt. Das Fort von Janjira ist bekannt dafür, das einzige Fort der indischen Westküste zu sein, das niemals eingenommen wurde. Weder den Engländern, Holländern oder Portugiesen, noch den mächtigen Marathen ist dies gelungen. Wenn man am Fuße der Mauern des Forts steht, versteht man auch warum. Ein Ausflug dahin ist ein schöner Spaziergang entlang der Steilküste, man gelangt dann an Bord von kleinen, vollgepackten Segelschiffen zum Fort und kann auch von hier schöne Aussichten genießen.
Murud selbst ist der erste Badeort, den ich hier in Indien besuche, der nicht primär auf ausländische Touristen ausgerichtet ist. Das hat durchaus seine Vorteile: es gibt keine nervigen Verkäufer am oder beim Strand, keine Restaurants mit pseudowestlichem Essen. Stattdessen viele Großfamilien aus Mumbai oder Pune, die hier ein wenig vom Großstadtleben entspannen. Diese stören sich auch nicht daran, dass der Strand nicht so sauber ist. Solang man Cricket spielen und baden kann, ist alles gut. Es gibt auch zahlreiche weitere Vergnügungsmöglichkeiten am Strand wie Kamelreiten oder Pferdekutschenfahren. Entspannen konnte ich hier jedenfalls, wenn auch auf eine andere Weise als gedacht.

Montag, 23. Mai 2011

Ellora und Daulatabad

Gerade einen Abend habe ich Zeit, um die Eindrücke aus Ajanta zu verarbeiten. Da ich sehr früh aus meinem Hotel auschecken muss, bin ich bereits am frühen Morgen in Ellora. Das ist gut, denn es ist noch wenig los und die Hitze noch nicht so asugeprägt.
Buddhistische Grotte
Die Grotten von Ellora sind etwas jünger als diejenigen in Ajanta. Die ältesten stammen aus dem 6. Jahrhundert, es sind buddhistische Grotten. Über etwa 5 Jahrhunderte hinweg schlugen Buddhisten, Hindus und Jains jeweils eigene Grotten aus dem Fels. Dass dies teilweise zeitgleich geschah, beweist die religiöse Toleranz, die zu dieser Zeit in Indien herrschte. Gleichzeitig sorgte der Konkurrenzkampf zwischen den Glaubensrichtungen dafür, dass jeder versuchte, seine Grotten besonders auszuschmücken.
Eine hinduistische „Grotte“, die Nummer 16, überstrahlt hier allerdings alle anderen. Es handelt sich um den Kaylasa Tempel. Dabei handelt es sich weniger um eine Grotte als um einen komplett aus dem Fels herausgearbeiteten riesigen Tempel mit Nebentempeln und Säulengalerien im Fels. Dieser größte monolithische Tempel der Welt ist zudem unheimlich detailreich ausgeschmückt. Begeht man ihn, weiß man nicht wo man hinschauen soll. Überall überbieten sich die Skulpturen in ihrem Detailreichtum und ihrer Schönheit. Ich verbringe über eine Stunde damit, alleine diesen Tempel zu erkunden und hätte hier durchaus noch länger verweilen können.
Kaylasa Tempel
Nach dem Kaylasa Tempel wirkt alles andere nicht mehr ganz so spektakulär, dabei sind auch die anderen Grotten nicht von schlechten Eltern. Gerade die zeitlich jüngeren Hindugrotten sind bombastische Meisterwerke. Allerdings gibt es auch unter den Jaingrotten eine, die besonders hervorsticht. Die Grotte Nr. 32 ist ebenfalls ein komplett aus dem Fels geschlagener Tempel, dessen Skulpturen durch feinste Detailarbeit beeindrucken.
Auf dem Rückweg nach Aurangabad lege ich auf halbem Weg in Daulatabad einen Zwischenstopp ein. Daulatabad hat eine sehr wechselvolle über tausendjährige Geschichte hinter sich. Deren Höhepunkt ereignete sich im 14. Jahrhundert, als Mohammed Tuqlaq, der damalige Sultan von Delhi, beschloss, seine Hauptstadt hierher zu verlegen. Das bedeutete, dass die gesamte Bevölkerung Delhis mit ihm nach Daulatabad ziehen musste, Männer, Frauen, Kinder, auch alte und Kranke. Viele überlebten die Reise von über tausend Kilometern nicht. Als Tuqlaq feststellte, dass Daulatabad doch nicht als Hauptstadt taugte, wiederholte sich das Spektakel in die andere Richtung. Daulatabad blieb dennoch eine glanzvolle Metropole, die anscheinend mit Delhi rivalisieren konnte.
Daulatabad
Heute ist Daulatabad ein verschlafenes Städtchen. Von seiner glanzvollen Zeit ist jedoch ein sehr beeindruckendes und relativ gut erhaltenes Fort mit drei Befestigungsreihen übrig geblieben. Der Kern des Forts liegt zudem auf einem Pyramidenförmigen Hügel, bei dessen Anblick man sich gut vorstellen kann, wie schwer es gewesen sein muss, es einzunehmen. Dieser Eindruck bestätigt sich beim Aufstieg des Hügels. Unter anderem muss man dabei ein Stück durch einen stockdunklen Tunnel gehen, an dessen oberen Ende die Verteidiger der Burg im Belagerungsfall Feuer entfachten, um im Tunnel für den Feind unerträgliche Hitze entstehen zu lassen.
Da inzwischen die Sonne mit voller Kraft knallt ist der Steile Aufstieg sehr beschwerlich. Allerdings wird man am Gipfel mit einer sehr schönen Aussicht auf das Fort und die Umgebung belohnt, sodass sich die Mühe gelohnt hat. Die Hitze verarbeite ich, wie die letzten Tage auch, durch das Trinken großer Mengen von Wasser. Mein Wasserverbrauch liegt dieser Tage bei 5-6 Litern am Tag. Bei um die 40 Grad im Schatten ist das auch nötig.

Sonntag, 22. Mai 2011

Die Grotten von Ajanta

Wie angekündigt hatte ich Aurangabad deshalb als Etappe auf meiner Reise gewählt, weil ich die unweit gelegenen von Mönchen geschaffenen und kunstvoll gestalteten Grotten von Ellora und Ajanta besichtigen wollte. Beide sind UNESCO Weltkulturerbe, da jede für sich auf ihre Art einzigartig sind.
Aus praktischen Gründen beginne ich mit einem Tagesausflug nach Ajanta. Das ist ohnehin ganz sinnvoll, denn die dortigen Grotten sind älter als diejenigen in Ellora. In Ajanta findet man insgesamt 30 Grotten, die allesamt von buddhistischen Mönchen aus dem Berg geschlagen und kunstvoll ausgestaltet wurden. Die Grotten von Ajanta entstanden in zwei Perioden: die älteren etwa vom 2. Jahrhundert vor Christi Geburt bis zum ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Insbesondere, weil der Buddhismus in dieser Zeit strenger war, sind diese Grotten schlichter. Die jüngeren stammen aus der Zeit vom 4. bis 6. Jahrhundert, diese sind teilweise deutlich kunstvoller gestaltet. Man unterscheidet zudem zwischen Viharas, also Klöstern, und Chaityas, also Tempeln. Der Unterschied ist leicht erkennbar, Viharas enthalten Zellen für die Mönche, Chaityas ähneln in der Form meist einem Kirchenschiff.
Die Konkurrenz mit Ellora und schließlich der Niedergang des Buddhismus in Indien ab dem 9. Jahrhundert ließen die Grotten von Ajanta in Vergessenheit geraten, bis sie im 19. Jahrhundert zufällig von britischen Soldaten wiederentdeckt wurden. Diesem Umstand ist wohl zu verdanken, dass in manchen der Grotten die sensationelle Wandbemalung erhalten blieb, welche zusammen mit den buddhistischen Skulpturen den Reiz des Orts ausmachen. In manchen der Grotten ist man angesichts der Kunstwerke einfach nur überwältigt, vor allem, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Werke und die sie beherbergenden Grotten teilweise vor über 2000 Jahren mit reiner Muskelkraft und relativ einfachen Werkzeugen geschaffen wurden.
Angesichts der schwachen Lichtverhältnisse in den Grotten waren de Voraussetzungen für das Fotografieren nicht optimal, ich habe jedoch versucht, markante Wandzeichnungen und ein paar beispielhafte Skulpturen festzuhalten. Hier das Ergebnis.

Montag, 16. Mai 2011

Muslimisch geprägte Städte auf dem Deccan – Bijapur, Hyderabad, Aurangabad

Nach den vielen dravidischen Hindutempeln ist mal ein Stil- und Epochenwechsel angebracht. Da trifft es sich gut, dass meine Reiseroute mich in Städte führt, deren prägende Zeit ein paar Jahrhunderte später liegt, eher im 16. bis 18. Jahrhundert und eine andere Kultur den Ton angibt: der indische Islam.
Imbrahim Rouza Mausoleum
Bijapur liegt im Norden Karnatakas, etwa 150 Kilometer von Badami entfernt. In ihrer Blütezeit vom 15. bis 17. Jahrhundert war Bijapur die Hauptstadt des gleichnamigen Deccan-Sultanats. Deren Herrscherdynastie, die Adil Shah, erbauten hier zahlreiche sakrale und weltliche Gebäude im Indoislamischen Stil, die heute noch das Stadtbild prägen. Zwei Mausoleen stechen dabei besonders hervor. Golgumbaz, ein riesiger Kuppelbau, beeindruckt neben seiner Größe vor allem durch seine Phänomenale Akkustik. In der sogenannten Flüstergalerie direkt unterhalb der Kuppel kann man angeblich jeden noch so leisen Ton von weitem hören. Ich kann das schwer testen, da ich alleine unterwegs bin. Auch zu zweit wäre das jedoch schwierig, denn die Besucher des Denkmals proben eine andere Eigenschaft der tollen Akustik: das Echo. Ich klatsche in die Hände und zähle, dass die Wände den Ton 12 Mal wiedergeben. Das Ibrahim Rouza Mausoleum wiederum glänzt durch seine Ästhetik. Es soll eine Inspiration für das Taj Mahal gewesen sein.
Bijapur ist auch heute noch sehr muslimisch geprägt. An jeder Ecke steht eine kleine Moschee. Auch die Bevölkerung scheint hier zu einem großen Anteil der islamischen Religionsgemeinschaft anzugehören. Man sieht nicht nur viele verschleierte Frauen, auch zahlreiche Männer und Jungen tragen traditionelle indisch-muslimische Kleidung. Ansonsten habe ich Bijapur jedoch nicht gerade als angenehme Stadt empfunden. Diese ist besonders staubig und zugemüllt, selbst die weniger glanzvollen Monumente sind verschmutzt durch Plastikmüll. Um die Zitadelle in der Mitte der Stadt ist zudem ein kleiner Slum entstanden, deren Bewohner hinter den Mauern des Forts ihre Notdurft verrichten. Da Bijapur abseits der üblichen Touristenrouten liegt, ist man hier als „Foreigner“ eine Attraktion, nicht nur für die Kinder. Nach dem hundertsten Mal (das ist nicht übertrieben) hat man auf folgendes Gespräch definitiv keine Lust mehr: „Hello, what is your name?“ - „Pierre“ - „Which country?“ - „Germany“. Und in der Langversion noch gerne „Photo please!“ Fotos hier.
Golconda Fort
Recht spontan entscheide ich, anschließend Hyderabad anzusteuern. Auch diese Stadt ist sehr muslimisch geprägt, man sieht neben Schildern auf Telugu und Englisch auch viele in arabischer Schrift, welche für die Urdu-Sprache der indischen Moslems verwendet wird. Die Hauptstadt Andhra Pradeshs geht auf die Dynastie der Qutub Shahi zurück, die bis zu deren Eroberung durch den Mogulkaiser Aurangzeb (1687) über das Sultanat Golconda herrschten. Nach dem Einflussverlust der Mogulen wurde deren ehemaliger Statthalter zum Herrscher über das Reich von Hyderabad. Dessen Nachfolger regierten hier als Nizzam von Hyderabad bis zur indischen Unabhängigkeit und sammelten bis dahin ein legendäres Vermögen an. Gerne hätte der damalige muslimische Nizzam sein mehrheitlich von Hindus bewohnte Herrschaftsgebiet Pakistan angeschlossen, doch die Zentralregierung in Delhi war anderer Meinung und setzte diese mit Hilfe der Armee durch.
Hyderabad ist heute eine Millionenmetropole, die mich fast ein bisschen überfordert hat. Die Stadt war zumindest gefühlt der bisher heißeste Ort, den ich hier in Indien besucht habe, ich entnehme der Zeitung, dass die Höchsttemperatur 42° C betrug. Zudem habe ich mich trotz des Erwerbs eines Stadtplans ein paar Mal verlaufen. Auch so manche Straßenüberquerung gestaltete sich trotz des Vorhandenseins von Ampeln und Zebrastreifen als Abenteuer, aber es blieb einem nichts anderes übrig, als sich todesmutig durch den Verkehr zu schlängeln. Die Müdigkeit durch die Nachtbusfahrt machte das ganze nicht besser.
Ich besuchte in Hyderabad die wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Ort. Dazu gehören unter anderen der Charminar, eine Art Triumphbogen mit integrierter Moschee in der Mitte der Altstadt und wahrzeichen Hyderabads. Das Viertel um den Charminar ist ein riesiger Bazaar. Es ist voll wie in der Mönckebergstraße an einem Adventssamstagnachmittag, doch dazu kommt noch der chaotische Straßenverkehr. Man muss sich richtig durch die Massen kämpfen und dabei aufdingliche Verkäufer abwimmeln. Weiterhin besuche ich das sehr sehenswerte riesige Fort von Golconda sowie den benachbarten Mausoleumskomplex der Qutub Shahi, den sehr hübschen Marmortempel Birla Mandir und die riesige Buddhastatue im Hassan Sagar See.
Hyderabad ist übrigens ein wichtiger Standort der indischen IT-Branche und wird daher gerne auch Cyberabad genannt. Das hat hier ein kaufkräftige Mittelschicht hervorgebracht, was man der Stadt anmerkt. Die Geschäfte im kommerziellen Zentrum, wo ich untergebracht bin, bezeugen, dass hier Menschen leben, die es sich leisten können, konsumfreudig zu sein. Dennoch: beim betreten einer Mall wird man durch die Securityangestellten abgetestet. Ich betrete erstmals auf meiner Reise einen richtigen Supermarkt und stelle fest: Kosmetikartikel kosten hier das selbe oder gar mehr als bei uns. Damit ist Shampoo, Deo oder Duschgel hier ein Luxusgut. Inder benutzen für alles Seife, die ist hier spottbillig. Fotos.
Taj Mahal? Nein, Bibi-ka-Maqbara
Nach einer weiteren Nachtbusfahrt erreiche ich Aurangabad. Der Gründer und Namensgeber der Stadt ist Aurangzeb, der spätere Mogulkaiser, der hier während der Regentschaft seines Vaters Shajahan seiner Rolle als dessen Statthalter (Subedar) für den Süden des Mogulreiches nachging. Markantestes Monument der Stadt ist denn auch Bibi-ka-Maqbara, das Mausoleum für die Ehefrau Aurangzebs. Dieses wird, je nach Blickwinkel des Betrachters, gerne auch „Taj Mahal des Deccans“ oder „Taj Mahal für Arme“ genannt. Wer die Fotos betrachtet wird das schnell nachvollziehen können. Bei Aurangabad gibt es auch sehr sehenswerte buddhistische Tempelgrotten, die jedoch wenig besucht werden, da sie von den unweit gelegenen Höhlen in Ellora und Ajanta überschattet werden. Diese waren auch der Hauptgrund für meinen Besuch in Aurangabad, ich sollte sie in den folgenden Tagen erkunden.