Es gibt übrigens Hoffnung für das nächste Jahr: Die Kaufkraft soll 2008 überdurchschnittlich steigen, jedenfalls stärker als die Inflation. Interessant auch: Jeder deutsche bürger hat 2007 im Schnitt 18.734 Euro jährlich zur Verfügung, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Die geographische Verteilung ist wie zu erwarten: Es gibt ein starkes Süd-Nord, sowie ein West-Ost Gefälle. Nachzulesen bei Spiegel Online.
Montag, 17. Dezember 2007
Geschafft!
Sonntag, 16. Dezember 2007
Das letzte Konzert '07
Die erste Gruppierung, Desert Planet aus dem finnischen Lappland, habe ich leider verpasst, da ich vor dem Konzert noch auf dem Weihnachtsempfang meiner alten Kollegen von der kanadischen Botschaft war. Aber ich glaube, dass mir der Game-Boy-Elektro-Sound der Band auch nicht so gefallen hätte. Dafür kamen wir gerade rechtzeitig für eine musikalische Neuentdeckung, Ida Maria aus Norwegen. Die nach ihrer Sängerin benannten Band spielte auf der Bühne einen Indie-Rocker nach dem anderen und begeisterte mit ihrer von Punk Attitüden beeinflussten Bühnenperformance das recht spärliche und eigentlich eher lahme Publikum. Auf der (norwegischsprachigen) Website der Band gibt es ein paar Songs zum kostenlosen Download. Es folgt aber sicher in den nächsten Monaten ein Album.
Die schwedische Band Last Days of April ist auch noch eine (vom alter her) recht junge Band, die aber schon lange Bestand hat und sich durch zahlreiche Auftritte in Deutschland, u.a. bei den großen Festivals und im Vorprogramm der Sportfreunde Stiller, einen Namen gemacht hat. Die Band um Sänger Karl Larsson spielt nette und sehr schöne Indie-Rock und Pop Lieder, die ich ganz gerne höre. Auf der Bühne fehlt allerdings die letzte Konsequenz. Das das Publikum wie gesagt ziemlich lahm war, sprang folglich in der Kulturbrauerei der Funke nicht wirklich herüber. So hatte man zwar das vergnügen, guter Musik zu lauschen, wirklich spannend war das ganze aber nicht.
Höhepunkt des Abends und für viele der wahre Grund für den Konzertbesuch waren zweifelsohne die Dänen von Kashmir. Ihr etwas düsterer, tragender, eher ruhiger Rock kann einen nicht kalt lassen. Die Musik hat was von Interpol, aber irgendwie erinnern manche Riffs auch an die Dire Straits. Jedenfalls kann man richtig schön in ihr eintauchen. Endlich wachte nun auch das Publikum auf! Auch wenn der Auftritt aufgrund des sehr engen Zeitplans ziemlich schnell vorbei war, machten Kashmir den Abend mehr als lohnenswert. Alle konzerttauglichen (also die flotteren) Songs wurden gespielt, sodass man zufrieden nach Hause gehen konnte. Ja, zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich die letzte Band, Wulfgang aus Island, nicht abgewartet habe und mich auf den Heimweg machte. Es war allerdings schon fast 12 und ich wusste, dass mein Wecker am nächsten Morgen um 5 Uhr klingeln würde. Man hat es schon schwer als Arbeitnehmer...
Zum Abschluss noch ein kleines Quiz aus dem Alltag im Neuköllner Multi-Kulti-Kiez. Was bezeichnet Eurer Meinung nach ein „Antrikot“ bei meinem türkischen Metzger? Ich freue mich jedenfalls schon darauf, es mir heute Abend in di Pfanne zu hauen.
Montag, 10. Dezember 2007
Auch Busfahren kann sich lohnen...
Sonntag, 9. Dezember 2007
Frustration und Weihnachtsstimmung
Derweil warte ich darauf, endlich das O.K. meiner Hamburger Chefin zu bekommen, um mir am 24.12 frei nehmen zu können (mehr gibt’s eh nicht) und versuche mich langsam in Weihnachtsstimmung zu versetzen. Diese kommt dieses Jahr nämlich nicht wirklich auf. Deshalb habe ich ein wenig für Weihnachtsdekoration in meiner Wohnung gesorgt und mit einfachen Mitteln ein weihnachtliches Fenster dekoriert. Deutlich besser funktionierte jedoch in diesem Unterfangen mein gestriger Besuch auf dem Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt auf meinem Neuköllner Lieblingsplatz, dem Richardplatz. Die Einzigartigkeit an diesem Weihnachtsmarkt besteht darin, dass er sich vom Kommerz sämtlicher anderer Berliner Märkte (es gibt laut meiner Zählung auf weihnachtsmarkt-deutschland.de deren 36) abhebt. Erstens dauert er nur ein Wochenende und zweitens ist er fast frei von gewerblichen Ständen, sondern wird von lokalen Vereinen und Wohltätigkeitsorganisationen betrieben. Das gibt dem ganzen eine nette und familiäre Stimmung, die mir sehr gut gefallen hat. Ich habe deshalb den Versuch unternommen, das ganze fotographisch festzuhalten, aufgrund der Dunkelheit sind die Bilder aber nicht berauschend.
Donnerstag, 6. Dezember 2007
Aufstocker? Ich denke schon…
Als ich Ende letzter Woche aus Hamburg zurückkehrte, erwarteten mich in meinem Briefkasten vier Briefe mit Absender Jobcenter Neukölln. Briefe vom Jobcenter bedeuten nicht immer schlechte Nachrichten, im Gegenteil. In diesem Fall sorgten sie für eine im Ergebnis positive Überraschung.
Wie ich bereits erwähnt habe, ist mein Verdienst bei meiner neuen Arbeitsstelle ziemlich dürftig. Allerdings habe ich Netto dennoch deutlich mehr zur Verfügung als vorher. Trotzdem wurde mir folgendes vorgerechnet:
· Die Sicherung des Lebensunterhalts beträgt im Monat 347 Euro
· Hinzu kommen meine Warmmiete inklusive Heizkosten, exklusive Stromkosten
· Das ergibt einen monatlichen Bedarf von gut 600 Euro. Soviel erhielt ich bisher ungefähr monatlich ausbezahlt.
· Als Empfänger von Sozialleistungen kann man die ersten 150 Euro ohne Abzüge hinzuverdienen, danach werden graduell Leistungen abgezogen.
· Jedenfalls ergab die Rechnung (die ich nicht ganz verstanden habe), dass ich weiterhin gut hundert Euro monatlich Wohngeld von der Sozialkasse überwiesen bekomme.
Das sehe ich ein wenig mit gemischten Gefühlen. In rein materieller Hinsicht nimmt man das Geld natürlich sehr gern. Hundert Euro, das macht 4 Konzertabende... Zumal hinzu kommt, dass ich weiterhin das Sozialticket für die öffentlichen Verkehrmittel und diverse andere Vergünstigungen verwenden kann. Andererseits habe ich moralische Bedenken dabei, denn ich denke, dass ich auch so über die Runden käme und unser Sozialsystem ausnutze. Dabei habe ich nichts beantragt, die Leistung wurde mir ohne mein weiteres Zutun angetragen. Mein eigentliches Problem ist auch, dass ich es skandalös finde, wenn Arbeitgeber es sich erlauben können, ihre Angestellten, egal ob Volontäre oder nicht, so schlecht zu entlohnen, dass sie weiterhin als bedürftig betrachtet werden. Hat man fünf Jahre studiert, um Hartz-IV-Aufstocker zu werden?
Eins ist mir durch all diese Dinge klar geworden: Auch wenn ich nicht dauerhaft in dieser Situation sein möchte und ich vielleicht trotz allem zu den Privilegierten gehöre, da ich im Hintergrund wohl situierte Eltern habe und ich zudem die Perspektive habe, dass es in Zukunft finanziell aufwärts geht. Auch wenn es vielleicht problematisch ist, dass man von der Administration des Jobcenters nicht immer unbedingt als Person wahrgenommen wird und vieles über seine private Situation offen legen muss (ich muss ab jetzt meine monatliche Gehaltsabrechnung einreichen). Im Ergebnis habe ich durch meine bisherigen Erfahrungen festgestellt, dass das deutsche Sozialsystem den Zweck erfüllt, für den es geschaffen wurde: zu vermeiden, dass einen die Wechselfälle des Lebens existentiell aus der Bahn werfen. Man muss zwar Prioritäten setzen und gut Haushalten, aber man kommt zurecht. Problematisch wird es dann, wenn eine prekäre Situation sich dauerhaft einstellt.
Zum Schluss noch was ganz anderes für alle, die sich für den Wahlkampf der kommenden amerikanischen Präsidentschaftswahl interessieren, da am 3. Januar die Vorwahlen in Iowa beginnen. Hier gibt es eine sehr gute Beschreibung dessen, wie dieser caucus abläuft und warum alle darüber berichten. Aber keine Sorge, da ich das ganze sehr genau verfolge, werde sicher in den nächsten Monaten mal drüber schreiben...
Dienstag, 4. Dezember 2007
Konzerte in Hamburg – Nr. 2, Vic Chesnutt
Vic Chesnutt ist ein Singer Songwriter aus den amerikanischen Südstaaten, der musikalisch im Bereich des Folk angesiedelt ist. Er ist seit einem schweren Autounfall vor einigen Jahren teilweise gelähmt und sitzt deshalb im Rollstuhl. Vic Chesnutt besitzt ein hohes Ansehen unter Musikerkollegen, sodass er immer sehr gute Leute um sich zu versammeln vermag, wenn er ein neues Album aufnimmt. Sein aktuelles Werk, North Star Deserter, nahm er mit Mitgliedern der Washingtoner Band Fugazi und einigen etablierten Heroen von Montreals Indieszene, vornehmlich Mitglieder von Thee Silver Mount Zion Orchestra (Voller Name: Thee Silver Mount Zion Memorial Orchestra and Tralala Band, Almuth erinnert sich noch an unseren unvergesslichen Konzertbesuch im Clinton's in Toronto). So trifft das Beste aus den Südstaaten und Quebec zusammen und vereint seine musikalischen Kräfte.
Diese Musiker bilden denn auch seine Begleitband für die laufende Tour. Heraus kommt tief- melancholische Musik, die einen live total packt. Die Platte ist zwar auch ein Ohrenschmaus (der sich beim ersten Hören noch nicht unbedingt erschließt), erst live entwickelt sich jedoch die ganze Kraft der Musik. Das Zusammenspiel von Gitarren, Baß (ein echter Kontrabass) und Streichern treibt die Musik in solche Sphären, dass man von ihr durchlaufen wird. Schließlich ist natürlich auch Vic Chesnutt selbst ein beeindruckender Sänger. Wie ein so zerbrechlich wirkender Mensch eine solche Gesangsgewalt entwickeln kann ist kaum zu glauben. Und die Texte zwischen Traurigkeit, Melancholie, Zynismus und Ironie setzen auf das ganze ein i-Tüpfelchen. Das waren 120 Minuten Musik, die mich sehr berührt hat und die ich nicht so schnell vergessen werden!
Samstag, 1. Dezember 2007
Konzerte in Hamburg: Nr. 1 – Super Furry Animals
Das Übel & Gefährlich verdient als interessante Location eine Erwähnung. Der Club ist in einem mehrstöckigen Bunkerbau direkt am Heiliggeistfeld untergebracht, das aussieht, wie ich mir Askaban, das Gefängnis aus Harry Potter vorstelle. Wie man so etwas bauen kann? Man kommt in den Club, der im 4. Stock liegt, nur über einen Warenaufzug herein, der von einem Aufzugführer betreut wird. Das Gibt dem ganzen einen gewissen Charme, zumal der Club, innen auch ganz nett ist, nur die Bierpreise sind im Vergleich zu Berlin doch recht gehoben.
Dass die Super Furry Animals in so einem kleinen Rahmen spielen, fand ich recht überraschend. Die Konzertveranstalter glaube ich auch, da das Konzert vom größeren Grünspan hierher verlegt wurde. Selbst das Übel & Gefährlich war bei weitem nicht voll. Ich wusste zwar, dass SFA in Deutschland nicht gerade Superstars sind, doch es gibt sie immerhin schon seit Mitte der 90er Jahre und sie haben eine Reihe sehr ordentlicher und stets beachteter Alben herausgebracht, sodass ich gedacht hätte, dass sie sich doch eine etwas größere Fanbasis erarbeitet hätten. Zumal sie in England einige Charterfolge hatten und dort Mittelgroße Hallen füllen, wovon man sich auch in Michael Winterbottoms Musik- und Sexfilm 9 Songs überzeugen kann.
Nun ja, so konnte eine recht intimen Runde einem exzellenten Konzert lauschen. Die SFA machen recht experimentierfreudigen Pop, sind sehr offen für technologische Neuerungen und Einflüsse und decken eine Bandbreite ab, die von elektronisch-sphärischen Klängen zum bodenständigen Rock reichen. Auch unkonventionelle Klanerzeugungsmittel wie Chips essen vor dem Mikrophon (klingt gut) werden genutzt. Außerdem haben sie einen ziemlichen Knall, treten in Kleidung mit aufgestickten Band-Artwork in Neonfarben auf und der Sänger Gruff Rhys zieht gerne mal eine Motorradhelm-Monstermaske auf und läuft damit durchs Publikum. Gespielt wurden erstaunlich wenige Lieder vom neuen Album und viele ältere Songs. Das fand ich etwas schade, da ich vor allem des 2005er Album Love Kraft sehr mag, das etwas vernachlässigt wurde. Auch von den Stücken in walisischer Sprache gab’s leider nur eine Kostprobe in Form des Hits Calimero, das hatte ich aber erwartet.
Fazit: ein sehr sehenswertes Konzert. Auch mit 1h45 von der Dauer her überdurchschnittlich. Nach einer Stunde kam die Ansage, SFA bauten ihre Konzerte wie Fußballspiele auf und machten eine Halbzeitpause (von knapp 5 Minuten). Dafür wurde auf die Scheinheiligkeit von Zugaben verzichtet. Wenn zudem auf Vorbands verzichtet wird und dafür die Hauptband angemessen lange spielt, kann das von mir aus immer so sein.
