Donnerstag, 30. Oktober 2008

Die "Sch'tis" kommen nach Deutschland

Der Kino-Überhit des Jahres in Frankreich startet heute in den deutschen Kinos. Könnte mir eigentlich total egal sein, in gewisser Weise betrifft mich der Film aber durchaus. Die liebenswerte Komödie spielt in der Ursprungsgegend meiner Mutter, ich bin demnach ein Ch'ti (wie man in Frankreich richtig schreibt) Nachfahre. Bei jedem Besuch zu Hause und jedem zweiten Telefonat mit meiner Mutter wird der Film folglich mit Stolz erwähnt, da sich die Leute in dieser Gegend als Stiefkinder Frankreichs fühlen und die Gegend in Frankreich einen von negativen Klischees begleiteten Ruf genießt. Vielleicht ein wenig Vergleichbar mit Deutschlands Osten. So sieht das ganze aus:
Ich weiß zwar nicht, was die Deutsche Synchronfassung taugt, kann aber nicht zu schlecht gemacht sein, da die Kritiken gut sind und der Film den Publikumspreis beim Hamburger Filmfest gewonnen hat.
Zur deutschen Website.

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Dienstag Nacht auf'm Kiez

Was man nicht alles für die Arbeit tut... Angesichts eines Termins mit Geschäftspartnern kam ich gestern in den Genuss, sehr lecker im Restaurant Waterkant zu schlemmen und anschließend bei einem Drink die Traumaussicht von der Bar 20Up im 20. Stock des Empire Riverside Hotels zu genießen. Das reichte aber nicht als Besuchsprogramm für unsere Gäste, jetzt ging der Abend erst richtig los. Der Chef beschloss, die Herrschaften auf eine "Tour of the Reeperbahn" mitzunehmen. Auch für mich sehr lehrreich! In der Tat kam ich so zum zweifelhaften "Genuss", einmal einen Live-Sex-Club zu betreten. Im Safari gab es zwar gerade kein Live Sex auf der Bühne, dafür sahen wir mehrere Performances von jüngeren und weniger jungen Damen, die selbstredend immer mit deren Nacktheit endeten. Das ist tatsächlich wie in schlechten Filmen, inklusive was die Bedienungen betrifft und das altbackene, was dieser Art von Etablissements anhängt. Niemals wäre ich überhaupt auf die Idee gekommen, da rein zu gehen, und jetzt wo ich es gesehen habe, verzichte ich für die Zukunft gerne. Damit kann ich absolut nichts anfangen, schlussendlich finde ich es lächerlich, jedenfalls kein bisschen lustanregend.

Glücklicherweise waren die verbliebenen Damen und Herren, mit denen wir unterwegs waren, ähnlicher Meinung (zumindest hatte ich diesen Eindruck), sodass wir unsere Kieztour feuchtfröhlich fortsetzten und noch ein weiteres No-Go mitnahmen: die Karaoke-Bar Thai-Oase ein Stückchen weiter auf der Großen Freiheit. Gut, dass mein Alkohol-Pegel da meine Schmerzgrenze schon weit nach oben gedrückt hatte, sodass dies auch überstanden wurde. Weitere Biere und ein weiteren Kneipenbesuch später schaffte ich es irgendwie dann doch nach Hause zu radeln, um mir vor dem Meeting am Folgetag zwei Stunden Schlaf zu gönnen. Wie ich Folgetag fand, erübrigt sich glaube ich zu erwähnen.

Sonntag, 26. Oktober 2008

Da könnte ich auch hinziehen...

In der Reihe "Viertel, wo es sich in Hamburg gut wohnen ließe", stelle ich nun Ottensen vor. Sicherlich kein Geheimtipp, aber ich bin davon hellauf begeistert. Ehemals das Industrie- und Arbeiterviertel Altonas, ist es charakterisiert durch eine Mischung von Jugendstilaltbauten, zweigeschössigen, etwas kleinstädtischer wirkenden Häuschen sowie sozialem Wohnungsbau mit Klinkerfassaden. Seit der Deindustrialisierung der 60er und 70er Jahre und der damit einhergehenden Schließung der Fischkonserven-, Schiffs- und Maschinenbaufabriken hat sich Ottensen nach einem kurzen Niedergang zu einem Hort des Städtisch-Intellektuell-Alternativen Milieus gemausert. Die Gentrifizierung hat jedoch nur manche Straßenzüge erfasst, sodass noch keine Prenzlauer-Berg-Heile-Welt entstanden ist. Zudem gibt es hier mehrere gelungene Beispiele für postindustrielle Weiternutzung von alten Fabrikgebäuden. Zum einen die "Fabrik", wo ein gemeinnütziger Nachbarschaftsverein die Rettung des Gebäudes betrieb und sich heute eine wunderbare Konzertlocation wiederfinden. Zum anderen die Zeisehallen, die stilvoll in ein Einkaufszentrum für wohlhabende Grünen-Wähler umgestaltet wurden. Ich habe aber auch einen türkischen Metzger entdeckt, der es preislich mit seinen Neuköllner Kollegen aufnehmen kann (ich habe natürlich sofort zugeschlagen). Zur Elbe hat man es auch nicht weit, ebensowenig zu den Kommerztempeln um den altonaer Hauptbahnhof.

Allerdings plane ich gerade in keister Weise, mir eine neue Bleibe zu suchen... Aber man kann ja nie zu früh überlegen, wo es einem so gefallen könnte. Hier ein paar Fotos

Samstag, 25. Oktober 2008

Calexico

Als ich mich in der Fabrik ankam, war die Halle schon ziemlich voll. Kein Wunder, das heutig Konzert von Calexico war ja auch ausverkauft. Das Publikum war nicht das, was ich üblicherweise an Konzerten antreffe: wenig Jungspunde, dafür deutlich mehr graumelierte Haarschopfe. Das ist jedoch, wenn man darüber nachdenkt, nicht überraschend. Denn erstens war der Eintritt nicht gerade billig. Zweitens ist der mexikanisch beeinflusste Südstaatenfolk von Calexico nicht unbedingt die Musik, die in der Indiedisco läuft. Und drittens gehört die Band zu den Lieblinge der Feuilletons der meinungsbildenden Blätter der Intellektuellen.

Zunächst mussten diese allerdings die Vorband erdulden, Bodies of Water. Erdulden ist das falsche Wort, denn ich fand sie ziemlich gut. Bodies of Water waren zum ersten Mal in Europa auf Tour und davon ganz begeistert. Lustigerweise wirkten sie in ihrem Auftreten sehr amerikanisch, voller Enthusiasmus und jeden Satz mit „you guys“ beginnend. Dabei wurde einem der lange nicht mehr gesehene Anblick einer bodytragenden jungen Frau gegönnt. Es hat durchaus seine Gründe, weshalb das out ist, ebenso wie Topffrisuren. Die Musik ist aber durchaus hörenswert, ich würde es als Neo-Flowerpower bezeichnen, es sind einige ganz nette Elemente dabei wie sich steigernde Kanongesänge.

Die Helden des Abends waren aber selbstverständlich Calexico. Das Set begann in kleiner Besetzung mit zwei ruhigen Stücken, bevor dann die ganze Band (sechs Männer ca. Mitte 30) die Bühne betritt. Das Auftreten erinnert mehr an eine Jazzband denn eine Rockband, denn das Zusammenspiel ist perfekt auf den Punkt gebracht, es gibt Soli mit Szenenapplaus, Instrumentalstücke und gegenseitige Anerkennung der Musiker für ihre Virtuosität. Zudem sind alle bester Laune, erklären den Abend kurzerhand zur „crew dedication night“ und widmen folglich jeden Song einem ihrer Crewmitglieder (von denen es erstaunlich viele zu geben scheint). Das knapp zweistündige Set führt die Zuschauer quer durch das Werk der Band, viele Stücke werden in deutlich anderen Arrangements vorgetragen, als von den Alben bekannt. Zwei Trompeten, Vibraphon, Pedal Steel, Kontrabass und zahlreiche Gitarrenvarianten kommen zum Einsatz, die musikalisch Bandbreite richt vom Rocker über twangenden Folk zum Latinokracher. Das alles passte sehr gut in die Fabrik, die vom Fassungsvermögen sicherlich verglichbar ist mit dem Kesselhas de Kulturbrauerei, jedoch viel kleiner wirkt. Ein Konzerthighlight in diesem Jahr, ohne Zweifel.

Dienstag, 21. Oktober 2008

Sankt Georg

Ein wenig versifft, Mulitkulti, verrufen und gleichzeitig ganz heiß im Kommen. Wären wir in Berlin würde ich sagen: das ist Neukölln. Das gibt es aber auch in Hamburg. Am Wochenende habe ich die Gelegenheit genutzt, eine Besucherin zu haben, welche die touristischen Hauptattraktion der Hansestadt bereits kennt, um eine nicht ganz so touristisches Viertel zu begehen: Sankt Georg. Ehemals dem Abriss geweiht und deswegen dem Verfall, den Migranten und den Armen überlassen, erlebt das Viertel, das nach dem Bau des Hauptbahnhofs gegen Ende des 19. Jahrhunderts seine Blüte kannte momentan eine Wiedergeburt. Wenn die Schanze ist wie Kreuzberg in klein, kann man wohl Sankt Georg auch mit klein Neukölln bezeichnet. Hier gibt es zwischen Gemüsetürken und Ramschläden ebenfalls In-Kneipen, interessante Läden, Schwulenkneipen, aber auch Stundenhotels und Sexshops. Eine interessante Mischung also. Nicht zu verachten ist der Hansaplatz. Zudem ist es nicht weit zur Alster und zur City. Wenn ich eines Tages innerhalb Hamburgs umziehen sollte, habe ich meine erste Wahl schon gefunden...

Leider hatte ich keinen Fotoapparat dabei, das Viertel ist aber ohnehin nicht unbedingt fotogen sondern lebt vielmehr von der Atmosphäre.

Sonntag, 19. Oktober 2008

Infadels

Es gibt Bands, die mag man einfach. Und auch wenn das neueste album nicht ganz überzeugend ist, geht man zum Konzert, wenn sie in die Nähe kommen. So ist es bei mir mit den Infadels, eine Discorockband aus London. Das Debutalbum We are not the Infadels zählte monatelang zu meinen meist gehörten Platten, sodass ich den Infadels das viel zu poppige Zweitwerk verzieh und am Donnerstag dem Regen trotzte, um mir das Konzert im Molotow anzutun. Es hat sich auch gelohnt, allein weil dies mal wieder eine Band mit einem ziemlichen Knall ist. Pseudo-gothic geschminkt und ein wenig überenthusiastisch, doch vor allem die discolastigen Songs sind einfach toll.

Ich war übrigens gestern schon wieder im Molotow, diesmal zur „Bloc Party Album release party“ (ja, so weit ist es mit deren Popularität schon gekommen), mit dem Ziel, mal wieder eine schöne Indie-Party zu besuchen. Davon abgesehen, dass das Publikum da extrem jung ist, lohnt sich das durchaus. Dazu beigetragen hat mit einem stürmischen auftritt auch die belgische Band The Van Jets (die durchaus eine gewisse ähnlichkeit mit ihren fast Namensvettern von Jet haben).

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Canada votes 08

Interessiert zwar in Europa wohl keinen, mich schon. Kanada hat gestern gewählt. Die schlechte Nachricht: der Konservative Stephen Harper bleibt Premierminister. Die gute Nachricht: er muss weiterhin mit einer Minderheitsregierung regieren und kanndamit seine extrem wirtschaftsliberale und sozialkonservative Agenda weiterhin nicht ungehindert umsetzen. Es bleibt also beim Status quo. Aufgrund des Wahlrechts wird die Partei mit der relativen Stimmenmehrheit belohnt, sodass das Land weiter von den Konservativen regiert wird, obwohl sich ca. 60% der Wähler für eine Mitte-Links Partei entschieden hat (Liberale, Sozialdemokraten, Grüne oder Souveränisten in Quebec - auch letztere sind eher sozialdemokratisch). Der historische Tiefstand der Liberalen wurde durch Stimmengewinne der sozialdemokratische NDP kompensiert. Eins ist also klar: wollen die progressiven Kräfte im Land wieder die Macht erlangen, müssen sich die Parteien des Mitte-Links Spektrums auf eine Allianz einlassen - oder auf einen Untergang Harpers in den wirtschaftlichen Turbulenzen hoffen.

Detaillierte Ergebnisse gibt es hier, weitere Infos und Kommentare hier.