Dienstag, 29. April 2008

Endlich Frühling

Am Wochenende ist der Frühling nun endlich in Berlin angekommen. Es hat lange genug gedauert, doch nun konnte die T-Shirt, kurze Hosen und an der Spree in der Sonne liegen Saison eingeleitet werden. Und hier der Beweis: Auch in Berlin gibt es ein Kirschblüte (wenn auch rosa Zierkirschbäume), nicht nur im im Markgräflerland...

Montag, 28. April 2008

Der Silberne Berg Zion

Es gibt Bands, die einfach nur live ihre volle Wirkung entfalten. Dazu gehören auch Thee Silver Mount Zion Orchestra and Tralala Band. Die Post-Rock Gruppierung aus Montreal ist nicht jedermanns Sache, die Musik erfordert eine gewisse Aufmerksamkeit (MySpace). Seit ich SMZ aber in einem unvergesslichen kleinen Konzert im Clionton’s in Toronto gesehen und gehört hatte, wusste ich, dass sie auf der Bühne ein Ereignis sind. So war ich natürlich dabei, als ich endlich die Gelegenheit hatte, sie auch mal hier in Europa zu sehen, genauer im Berliner Postbahnhof. Eingefunden hatte sich eine überschaubare, aber recht eingeschworene Fangemeinde, die dann auch wie ich vom Auftritt hin und weg waren. Die epischen Stücke (Dauer je 10-15 Minuten) des Kollektivs um Ephrim Menuck, die gekonnt von leisen Momenten in laute Explosionen aufsteigen, um dann wieder ganz ruhig zu werden, lassen einen einfach in eine andere Welt entschweben. Der volle Streichersatz im Zusammenspiel mit den Gitarren sorgen für Gänsehautgefühl, die hübschen weiblichen Bandmitgliederinnen für eine Augenschmaus und das Stimmen zwischen den Stücken für nostalgische Erinnerungen an das Konzert in Toronto. Beim nächsten Gestspiel in meiner Nähe bin ich wieder dabei!
Fotos eines SMZ Konzerts (in Nottingham) gibt es hier.

Sonntag, 27. April 2008

Wie ich es geahnt hatte...

... ist der Volksentscheid ausgegangen. Zwar haben 60% der Teilnehmer für den Erhalt des Flughafens Tempelhof gestimmt, doch die Abstimmungsbeteiligung war miserabel: 36%. Damit haben insgesamt nur 21.7% der Berliner mit Ja gestimmt, das notwendige Quorum ist nicht erreicht und der Voklsentscheid somit gescheitert. Gut so!

Interessant die Verteilung der Beteiligung und der Zustimmung: Die Westbezirke haben alle zusgetimmt, je stärker die CDU dort traditionell ist, desto stärker waren Wahlbeteiligung und Zustimmung, meist über 70%. Erstaunlich ist, dass Neukölln und Tempelhof-Schöneberg, die in der Einflugschneise liegen, beide hohe Zustimmungswerte für die Offenhaltung ausweisen. Im Osten war zum einen das Desinteresse groß, zum anderen haben alle Ostbezirke mehrheitlich mit Nein gestimmt. Dritter Hinweis: auch in den Hochburgen der Grünen war die Ablehnung besonders groß. Anschauen kann man sich die Verteilung beim Landeswahlleiter für Berlin.

Samstag, 26. April 2008

Dagegen!

Morgen sollen die wahlberechtigten Berliner in der Wahlkabine zu folgender Frage Stellung nehmen: „Der Stadtflughafen Tempelhof ergänzt und entlastet den Verkehrsflughafen Berlin-Brandenburg International (BBI). Der Berliner Senat wird aufgefordert, sofort die Schließungsabsichten aufzugeben und den Widerruf der Betriebsgenehmigung aufzuheben. Tempelhof muss Verkehrsflughafen bleiben. Stimmen Sie diesem Beschluss zu?“

Erstmals in der Geschichte Berlins wurden in einem Volksbegehren genügend Unterschriften gesammelt, um Landesweit einen Volksentscheid einzuberufen. Noch vor ein paar Jahren hätte ich diesen „Erfolg“ für die direkte Demokratie bejubelt. Heute ist das anders.

In der Sache ist mir der Flughafen Tempelhof relativ egal. Der kleine innerstädtische Berliner Flughafen, der durch die Luftbrücke in die Geschichte eingegangen ist, soll aufgrund mehrer Beschlüsse des Berliner Senats in den 1990er Jahren noch in diesem Herbst schließen, da Berlin ab 2011 in Schönefeld über einen neuen Großflughafen verfügen wird. Auch der heutige internationale Flughafen in Tegel schließt dann. Bereits heute Fliegen ab Tempelhof kaum mehr Flugzeuge, der Flughafenbetrieb ist stark defizitär. Ich möchte allerdings hier keine Argumente für oder gegen die Offenhaltung des Flughafens Tempelhof aufführen. Ich werde jedenfalls gegen die Offenhaltung stimmen, und zwar aus folgenden gründen.

Der Volksentscheid zum Flughafen Tempelhof illustriert auf lehrbuchartige Weise, weshalb Plebiszite keine gute Sache für die Demokratie sind. In der Tat werden dadurch nur Partikularinteressen durchgesetzt. Um ein Volksbegehren zum Erfolg zu bringen, sodass die Wähler in die Abstimmungslokale gerufen werden können, benötigt es in Berlin 170000 Unterschriften. Diese muss man erst einmal einsammeln. Hierfür muss eine gewaltige Mobilisierungskampagne veranstaltet werden, zumal wenn es um ein Thema geht, was nicht unbedingt von größter Bedeutung ist. Das kostet auch viel Geld. So verwundert es nicht, dass die Initiative, die hinter dem Volksbegehren steckt, die ICAT, im wesentlichen von großen Wirtschaftsinteressen getrieben wird. So konnten die Mittel beschafft werden, um beispielsweise am Wochenende Shuttlebusse zwischen den Bürgerämtern, wo die Unterschriften Listen auslagen, und Einkaufszentren Verkehren zu lassen.

Zweitens führt die Springer-Presse eine intensive Kampagne für Tempelhof, erst zum Unterschriftensammeln, jetzt um „Ja“ Stimmen. Die Bild enthält jeden Tag Artikel, in der Berliner Morgenpost gibt es eine Serie zur Geschichte des Flughafens, die Welt trommelt ebenfalls für die Offenhaltung, angeblich, weil die Berliner Wirtschaft den Flughafen braucht. Eigentlich geht es aber sicherlich darum, dem Rot-Roten Senat eins auszuwischen.

Hier kommt die bürgerliche Opposition ins Spiel. Unter CDU-Bürgermeister Eberhard Diepgen hat seine Partei die Beschlüsse zur Schließung des Flughafens mit vorangetrieben. Heute hat CDU Fraktionschef Pflüger das Thema entdeckt, um gegen den Senat zu mobilisieren und spielt sich zum Tempelhof Fan auf, obwohl ihm das Thema bis vor kurzem recht egal ist. Dass die CDU als Westberliner Partei (im Osten ist sie sehr schwach) an die Geschichte appelliert und so versucht zu punkten ist billig. Dass die FDP stramm zur Wirtschaft steht ist klar, obwohl sie ja sonst so gegen Subventionen ist (diese wären bei einer Offenhaltung unumgänglich).

Schließlich geht es eigentlich um eine ziemlich komplexe Frage, die hier extremst vereinfacht und teilweise verfälscht wird. Im Kern soll Tempelhof geschlossen werden, weil ansonsten ein Teil der Grundlage für die Genehmigung des neuen Großflughafens BBI wegfiele. Nun wird getan, als sei das kein Problem. Zudem wird den nostalgischen Berliner Angst gemacht: Flughafen wird abgerissen (stimmt nicht, das Gebäude ist denkmalgeschützt), das Luftbrückendenkmal ist in Gefahr (auch falsch), der BBI wird zu klein sein (dabei ist er für bis zu 40 Millionen Passagiere geplant, im vergangenen Jahr empfingen die Berliner Flughäfen gut 20 Millionen Reisende).

Man könnte dies fortführen. Ich befürchte leider, dass die Befürworter gewinnen werden, da sie erstens mehr Geld für die Kampagne hatte als die Gegner und zweitens mit der Springerpresse ein lautstarkes Sprachrohr. Zudem ist Tempelhof vielen egal. So wird es wohl kommen, dass das Ja gewinnt, jedoch das erforderliche Quorum von insgesamt 25% der Wahlberechtigten nicht erreicht wird. Außerdem ist der Senat ohnehin nicht an das Ergebnis der Abstimmung gebunden. Ich kann mir aber schon lebhaft die BILD Schlagzeile vorstellen: „Wowereit ignoriert den Volkswillen“. Das sollte er auch tun!

Hier geht's zum Bündnis für ein flugfreies Tempelhof.

Mittwoch, 23. April 2008

Alles nur für die Karriere

Wie bereits angekündigt werde ich in wenigen Wochen schweren Herzens Berlin den Rücken kehren und Richtung Nordwesten nach Hamburg ziehen. Wie so häufig in unserer Gesellschaft geht dieser neue Einschnitt in meinem Leben vom Beruf aus. Ich habe in der Tat ein Angebot von meiner Firma erhalten, dass ich kaum ausschlagen konnte. Auch wenn ich niemals gedacht hätte, dass ich jemals dort landen würde, wechsle ich nun in den Vertrieb. Nicht erschrecken, das ist besser als es im ersten Moment klingt. Ich werde jetzt nicht Klinken putzen gehen. Es geht vielmehr um die Betreuung von potentiellen internationalen Kunden.

Jedenfalls ist diese neue Stelle eine Steigerung im Vergleich zu meiner jetzigen Tätigkeit: mehr Geld, interessantere Arbeit, bessere Karriereaussichten. Wenn ich nicht wieder auf dem Arbeitsmarkt aktiv werden will (was ich ansonsten bald getan hätte), ist das eine Chance, die ich auf jeden Fall ergreifen musste. Auch um den Preis, mein geliebtes Berlin zu verlassen. Doch die Metropole des Nordens ist ja auch nicht von schlechten Eltern. Gute Konzerte gibt es da jedenfalls auch zur Genüge, das habe ich ja schon mal ausgetestet. Jetzt muss ich mich statt in die Jobsuche in die Wohnungssuche stürzen. Die Motivation hält sich in Grenzen...

Montag, 21. April 2008

Art Brut

Am Samstag war in Berlin unter der Schirmherrschaft unseres Außenministers Steinmeier die 2. Europäische Clubnacht. Eigentlich wäre mir das ziemlich egal gewesen, da solche Veranstaltungen meist nicht so mein Geschmack sind. Wenn allerdings Clubs wie das Lido dies zum Anlass nehmen, für günstiges Geld ein gutes Konzert anzubieten, bin ich natürlich dabei. Es spielten: Get Cape.Wear Cape.Fly und Art Brut.

Erstmal hieß es durchhalten, denn die Türen wurden erst um 23 Uhr geöffnet. Wenn man vorher den ganzen Tag touristisch unterwegs war und dann auch noch auf der wiederbelebten Fanmeile das DFB-Pokalfinale angeschaut hat, ist man da bereits nicht so fit. Get Cape.Wear Cape.Fly (ich frag mich, wie man auf so einen Namen kommt), ließ dann den Abend ruhig anklingen. Der englische Singer-Songwriter spielt durchaus schwungvolle und sehr hörenswerte Melodien, das sehr zahlreich erschienene Publikum hörte aber eher abwartend zu. Wenn ein Teil der musikalischen Untermalung aus der Konserve kommt, ist das für die Stimmung auch nicht so förderlich.

Gegen halb zwei legten dann Art Brut los. Diese Band um „Sänger“ Eddie Argos ist der Beweis, dass man auch ohne wirklich zu singen, sondern mit einer Art Sprechgesang, der von Rockriffs untermalt wird, kleine Erfolge feiern und vor allem richtig Stimmung machen kann. Das liegt zum einen an den geistreichen Texten, zum anderen an der Tatsache, dass die komplette band einen Knall hat. Wir hatten uns nach kurzer Zeit von überfüllten Rand des Saals in die Mitte gearbeitet, wo man schön Platz hatte, um sich auch gebührend zu bewegen. Zumindest dort waren auch eigentlich nur sehr textfeste Fans, so funktionierte auch das Prinzip, den ganzen Auftritt als Wunschkonzert abzuhalten einwandfrei. Die Zugabenrufe „Art Brut, Top of the Pops“ zeigten dann auch, dass ich nicht der einzige war, der diese Band nicht zum ersten Mal sah. Kein Wunder, wenn man Herrn Argos Glauben schenkt, waren die Dame und die vier Herren an diesem Abend bereits zum fünften Mal auf der Bühne des Lido – und das innerhalb von nicht einmal 3 Jahren.

Freitag, 18. April 2008